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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Dienstag, 21. November 2017
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Durch die Anmeldung der ATV-Übernahme durch ProSiebenSat1 PULS 4 bei der BWB wurde das formelle Verfahren über den Zusammenschluss eingeleitet – nun wollen offenbar weitere Interessenten, allen voran Mediaprint und die RTL-Gruppe, doch noch ein Wörtchen mitreden.


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Wolfgang Schalko, 15.2.2017

Mediaprint und RTL-Gruppe wollen im Bieter-Rennen bleiben

ATV-Pro7-Deal doch noch nicht „gegessen”?

Eigentlich schien alles schon ganz klar: Die Verträge zur Übernahme der ATV-Gruppe durch ProSiebenSat.1 PULS 4 wurden unterzeichnet, weiters verpflichte man sich im Zuge der Akquise zur Einhaltung einiger selbst auferlegter Verpflichtungen, um eine langwierige kartellrechtliche Überprüfung zu umgehen. Nun scheint allerdings wieder Bewegung in die Sache zu kommen: Wie der „Standard” berichtete, wollen Mediaprint und RTL ein Kaufangebot für ATV legen.

Nachdem Anfang voriger Woche die Übernahme der ATV-Gruppe durch die ProSiebenSat.1 PULS 4-Gruppe vertraglich besiegelt und publik gemacht worden war (E&W Online berichtete), folgte kurz darauf (im Zuge der am 9.2. eingereichten Zusammenschlussanmeldung) die Bekanntmachung der Bedingungen, zu denen der Deal von statten gehen sollte. Ein Dokument mit den vorgeschlagenen Auflagen für den Zusammenschluss der beiden Sendergruppen (ein als „nicht vertraulich" deklarierte Fassung mit einigen geschwärzten Passagen) ist seither auf der Internetseite der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) zugänglich (bzw auch als PDF-Datei beigefügt zu dieser Meldung).

Die Verpflichtungszusagen sollen fünf Jahre ab Zusammenschluss gelten und umfassen für ATV u.a. die Beibehaltung des Sendernamens, keine Verschiebung des Programmplatzes, eine Standortgarantie Österreich (juristischer und faktischer Firmensitz) sowie die Fortführung als eigenständiger, österreichischer Sender (mit eigenständigem Geschäftsführer für den Programmbereich, eigenständigem Chefredakteur, eigenem Budget, eigenem Personal etc.). Auch die redaktionelle Freiheit und Unabhängigkeit der Redaktion von ATV soll fortbestehen – samt freier Programmgestaltung im Bereich „Nachrichten und Information" und eigenem Redaktionsstatut – und es sind keine „wesentlichen Programmänderungen" geplant, dh ein Schwerpunkt soll weiterhin auf österreichspezifische Eigenproduktionen gelegt werden.

Um die Umsetzung und Einhaltung der Auflagen sicherzustellen, wollen ATV und die Pro7-Gruppe einen unabhängigen Treuhänder einsetzen, der regelmäßig Bericht erstattet. Allerdings wird festgehalten, dass sich „alle Verpflichtungszusagen lediglich auf den Sender ATV beziehen und nicht auch auf den Sender ATV II", außerdem behält man sich eine Abänderungsklausel vor, dh sollten sich innerhalb der Geltungsdauer der Verpflichtungszusagen die Marktverhältnisse, die österreichische Medienlandschaft oder die sonstigen Rahmenbedingungen „wesentlich ändern", sollen – unter Einbindung der Medienbehörde KommAustria – Gespräche über eine Änderung, Aufhebung oder zeitliche Reduktion der Verpflichtungszusagen geführt werden.

Mitbewerber bzw andere Betroffene können sich binnen zwei Wochen (ab dem Tag der Bekanntmachung) zum Deal und zu den Auflagen äußern. Daraufhin entscheidet die BWB innerhalb von vier Wochen (auf Antrag auch sechs Wochen), ob sie den Zusammenschluss – anders als momentan geplant – vor ein Kartellgericht zur vertieften Prüfung bringt.

Bieter-Rennen neu entfacht

Nachdem vor der Unterzeichnung des ATV-Pro7-Deals wochenlang Gerüchte und Spekulationen die (mediale) Runde gemacht hatten, schürt ein Bericht des „Standard" diese nun aufs Neue: Wie die Tageszeitung berichtet, sollen Krone-Kurier-Tochter Mediaprint und die deutsche RTL-Gruppe noch diese Woche ein gemeinsames Kaufangebot für ATV legen und beruft sich dabei auf „Krone"-Herausgeber Christoph Dichand.

Demnach hatte ATV-Eigentümer Herbert Kloiber bis dato nicht mit der Mediaprint verhandelt, weil es offenbar Widerstand der deutsche Funke-Gruppe, Gesellschafterin von „Krone" und „Kurier", gegeben hatte – diese Hürde ist nun ausgeräumt. Valide Gegengebote zum Deal mit der Pro7-Gruppe würden den Verkauf wohl merklich erschweren – wobei laut „Standard" auch die Mediengruppe Österreich der Familie Fellner für ATV geboten sowie „Heute"-Herausgeberin Eva Dichand (die Frau von Christoph Dichand) zusammen mit einem internationalen Partner Kaufinteresse bekundet habe.

Wolfgang Schalko, 15.2.2017