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Wolfgang Schalko, 11.11.2015

Multimedia-Kommentar E&W 11/2015 von Wolfgang Schalko

Irgendwas mit „doch nicht blöd”

Um die Messesituation in Österreich ist es bekanntermaßen nicht gerade rosig bestellt, in besonderem Maße trifft dies auf den – im Handel immer noch enorm umsatzstarken – Bereich Unterhaltungselektronik zu. Die jüngsten Entwicklungen rund um die Zukunft der Futura und die „Ordertage-Alternative” Wohnen & Interieur lassen leider ebenfalls nicht Gutes erahnen.

Einen kleinen Lichtblick bilden in dieser Hinsicht die klangBilder, die sich – trotz überschaubarer Größe, Audio-Ausrichtung und Premium-Fokussierung – zumindest recht konstant gehalten und mittlerweile als vorweihnachtlicher Fixpunkt etabliert haben. Unkenrufer sagen den klangBildern nach, es würde dort jeder Austeller jeden Besucher persönlich kennen (und umgekehrt), die Messe wäre also viel zu statisch und beengt, um für Aussteller, Händler und Besucher – vor allem neue – wirklich interessant zu sein. Initiator Ludwig Flich sieht das naturgemäß anders und kann den Miesmachern neben der der Beständigkeit der klangBilder einige weitere gute Argumente entgegenhalten, etwa die lokale wirtschaftliche Bedeutung (von den Ausstellern/Händlern bis zur Gastronomie vor Ort), das Hinzukommen neuer Kooperationen (zuletzt u.a. Radio Arabella) oder das Auftreten immer neuer Aussteller samt neuer Produktbereiche – wie die Präsenz einiger Start-ups heuer zeigt. Eines Besseren könnten die Kritiker heuer aber insbesondere durch den Umstand belehrt werden, dass die klangBilder erstmals auch eine Verkaufsmesse sind. Die sich hier bietende Chance ließ sich Media Markt nicht entgehen und wird erstmals als Aussteller mit von der Partie sein. Eine Win-Win-Situation scheint vorprogrammiert, denn während der Handelsriesevon einem exquisiten Rahmen für seine Produktpräsentation und potenziellen Kunden, die sonst vielleicht unerreichbar wären, profitiert (von den getätigten Geschäften ganz zu schweigen), wird sich die Messe im Gegenzug wohl über zusätzliches und vor allem frisches (in erster LInie jüngeres) Publikum freuen dürfen, ebeso von gesteigerter medialer bzw werblicher Präsenz. Lässt man sich all das auf der Hirnrinde zergehen, kommt einem fast zwangsläufig der Media Markt-Slogan in den Sinn. Wie ging der gleich nochmal? – Ach ja, irgendwas mit „doch nicht blöd" ...

Szenenwechsel: Österreich wird dieser Tage um eine neue SAT-TV-Plattform reicher – HD Austria geht wie schon länger angekündigt mir einem Viaccess-System als Alternative zur ORF DIGITAL-Plattform an den Start. Zur Vorgeschichte: Nachdem die M7-Gruppe mit dem – damals noch wohlwollenden – Partner ORS äußerst ambitionierte Pläne in Sachen Kundengewinnung für HD Austria und AustriaSat an den Tag gelegt hatte (100.000 binnen drei Jahren sollten es sein), stellte sich recht bald eine gewisse Ernüchterung ein. Die Versuche nachzuhelfen fruchteten nur bedingt, ein Sendelisten-Update, das die Kritiker als frustrierende „Zwangsbeglückung" einstuften, die M7-Gruppe jedoch als Service am Kunden, führte schließlich zur Verhärtung der Fronten mit der oben genannten Konsequenz. Ob das neue Angebot bei den Konsumenten ankommt, wird dessen Qualität zeigen – denn auch die sind sicher eines nicht: blöd.

Wolfgang Schalko, 11.11.2015