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Wolfgang Schalko, 12.6.2015

Multimedia-Kommentar E&W 6/2015 von Wolfgang Schalko

Schneller als man denkt

Was wurde in der Contentfrage beim Thema 4K nicht schon wieder alles gefordert, diskutiert und spekuliert… Welcher Sender würde sich wohl als erster auf das neue Terrain wagen? Wann kommen 4K-taugliche Blu-ray-Player, wann die dazugehörigen Discs? Haben die Online-Anbieter wie Netflix, Maxdome & Co. die Chance, sich mit 4K-Inhalten einen Fixplatz in den heimischen Wohnzimmern zu sichern? Fragen wie diese begleiten die Branche seit der Präsentation der ersten UHD-TVs. Nun gibt es endlich konkrete Antworten – zumindest auf einige dieser brennenden Fragen.

Allen Mutmaßungen und bereits erfolgten Demo-Ausstrahlungen zum Trotz ist es wohl nicht Pay TV Primus Sky, der seine Kunden an vorderster Front mit ultrahochauflösendem Content beglückt, sondern – aufgepasst – ein Shoppingsender (!!). Aus heiterem Himmel gab kürzlich der deutsche Kanal pearl.tv bekannt, zur IFA im UHD-Regelbetrieb (und mit nativem, selbst produzierten UHD-Material) via ASTRA auf Sendung gehen zu wollen, und sorgte damit in der Medienwelt für enormes Aufsehen. Dass damit die Erwartungen auf Kundenseite nun hoch sind und der Druck auf die anderen Programmanbieter (Pay- wie auch Free-TV und Online-Dienste) enorm gestiegen ist, könnte jenen Anstoß bedeuten, der einen ganzen Stein ins Rollen bringt: Bekanntermaßen tendiert die Branche im Allgemeinen ohnehin dazu, sich nur allzugerne selbst zu überholen, und sobald der erste Schritt einmal getan ist, artet die Bewegung zumeist schnell in ein Wettrennen aus. Auf Seiten der Konsumenten werden solche Entwicklungen sowieso ohne Hinterfragen begrüßt, und diesmal hätte auch der Handel Grund zur Freude, weil ihm gute Verkaufsargumente schneller in die Hand gegeben werden als vor einigen Jahren bei der HD-Einführung, die wegen genau dieser Problematik zäher und mühevoller verlaufen ist als notwendig gewesen wäre.

Die Frage, wie es um die 4K-taugliche Scheibe bestellt ist, wurde übrigens ebenfalls schon geklärt: Die Standards für die 4K Blu-ray samt Hardware sind definiert, konkrete Umsetzungen darf man für den Herbst erwarten. Was die Fernsehlandschaft derzeit noch bewegt bzw bald bewegen wird, widmet sich diese E&W ab Seite 60 mit einer neuen Folge der Serie „Zukunft des Fernsehens".

Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass sich der Handel gerade beim Thema UHD und 4K auf – willkommene und wohl auch unliebsame – Überraschungen gefasst machen muss. Denn die Voraussetzungen sind durch die vollständige Digitalisierung des Rundfunks (mit Ausnahme des Kabels, das im nächsten Sommer folgen wird), die enormen Bandbreiten, die jedem für den Datenverkehr zur Verfügung stehen, und die verfügbarkeit von Wiedergabegeräten aller Art zu attraktiven Preisen völlig andere als damals beim Start von HD-TV mit allem, was dazugehört – und deswegen kann dieser Markt ganz gewaltig in Bewegung geraten. Jederzeit, überall und schneller als man denkt.

Wolfgang Schalko, 12.6.2015