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Wolfgang Schalko, 10.3.2015

Multimedia-Kommentar E&W 3/2015 von Wolfgang Schalko

Lehren aus der Leere

Zu Anfang mag die Nachricht über die Absage der Frühjahrsordertage noch für so manchen – mitunter wohl auch erfreuten Aufschrei – gesorgt haben, ehe recht flott der Alltagstrott, oder Neudeutsch Business as usual, wieder Einzug hielt. Wer glaubt, sich durch das Nichtstattfinden der Messe eine Reise „erspart” und (Frei-)Zeit „gewonnen” zu haben, dem ist vermutlich nicht mehr zu helfen.

Beim – hoffentlich deutlich größeren Rest – dürfte sich jetzt, ein paar Tage und Wochen später, schön langsam dieses ungute Gefühl breit machen, dass der Branche mit der Frühjahrsmesse vielleicht doch mehr abhanden gekommen sein könnte als bloß ein Wochenende in Salzburg. Das gilt für Aussteller wie Händler gleichermaßen und trotz der Versuche einzelner Lieferanten, dieses enstandene Loch durch eigene Veranstaltungen zu stopfen. Ich selbst zähle mich hier keineswegs zu den Ausnahmen, denn das Gefühl einer sich immer weiter auftuenden Leere hat auch mich längst beschlichen – wobei ich genau das befürchtet habe, als die Absage der Ordertage bekannt wurde.

Wer die Situation also nicht völlig verkennt, der müsste momentan eigentlich alle nur erdenklichen Hebel in Bewegung setzen – als Händler, um an die essenziellen Informationen zu gelangen, und als Lieferant, um die bestehenden und potenziellen Kunden mit ebendiesen Informationen zu versorgen. Denn aller heute verfügbaren Kommunikationsmöglichkeiten – vom Telefongespräch bis zum Video-Chat und vom eMail bis zur Online-Plattform – zum Trotz muss zwangsläufig derzeit jeder feststellen, was die modernen Technologien alles nicht leisten können. Oder anders gesagt: Selbst wenn man ein Gerät stundenlang im Internet betrachtet, sich Videos dazu angesehen und zig Rezensionen gelesen hat, kennt man es nicht so, wie wenn man es selbst berührt und ausprobiert hat und man mit seinem jeweiligen Ansprechpartner die Argumente durchgegangen ist, wie und warum sich dieser Artikel verkaufen lässt. Eine Messe bildet hier ein Basisangebot an Information, Kontakten und aktuellen Erfahrungen, dessen Wert man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Natürlich sind Roadshows, Schulungen, Hausmessen u.Ä. wichtige Angebote für den Handel, aber sie bilden eben nur Teilbereiche ab und können nicht das Gleiche wie eine Messe leisten. Die Frage, die sich die handelnden Akteure meines Erachtens daher stellen müssen, ist so einfach wie weitreichend: Wie gut bin oder fühle ich mich informiert, um mein Business betreiten zu können? (bzw. auf Lieferantenseite: Habe ich dafür mein Möglichstes getan?)

Die Messethematik ist bezeichnend für die Situation der Branche: Man ist sich einig, dass es ein weitreichendes Angebot wie die Ordertage (oder die Futura) braucht, aber man weiß nicht wann und wie. Das ist, als ob man beim Autofahren überlegt, ob man einem Hindernis besser links oder rechts ausweichen soll. Dabei wäre die Richtung zunächst völlig unerheblich – Hauptsache man lenkt.

Wolfgang Schalko, 10.3.2015