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Wolfgang Schalko, 23.10.2014

Multimedia-Kommentar E&W 10/2014 von Wolfgang Schalko

Österreichische Lösung

Grundsätzlich würde ich den Begriff „Österreichische Lösung” als eher positiv konnotiert erachten, da ihm zwar etwas Unübliches und vielleicht sogar nicht ganz Regelkonformes anhaftet, mehr aber noch etwas Pragmatisches und Kontruktives. So war wohl auch die Aussage von M7 Countrymanager Martijn van Hout zu verstehen, er würde sich eine große Gesprächsrunde mit Vertretern von ORF, ORS, den Privat-TV-Anbietern sowie der Geräteindustrie wünschen, um eine solche „Österreichische Lösung” zu finden – denn wo, wenn nicht in Österreich, solle das möglich sein, lautete sein Zusatz.

Doch wofür überhaupt eine Lösung? Nun, für den seit längerem schwelenden Konflikt zwischen HD Austria (bzw der Muttergesellschaft M7) und dem SAT-Plattformbetreiber ORS – wofür neuerdings auch die entsprechenden Contentprovider (man könnte auch von Geldgebern und Eigentümern sprechen) vorgeschoben werden, dh die Privatsender auf der einen und der ORF auf der anderen Seite. Eingetrübt ist das Verhältnis seit dem vorigen Herbst, als die Thematik der HD Austria Fastscan-Liste bei ORF/ORS und auch den Kommunikationselektronikern die Wogen hochgehen ließ. Die „Gegenmaßnahme" – als Absicherung gegen solch ungewollte Programmreihungen – folgte nun in Form der neuen ORF SAT-Guidelines, die sehr deutliche Spielregeln vorgibt und zu einer weiteren Verfinsterung der Beziehungen geführt hat. Ein Aspekt, der aus Sicht des ORF aber ebenso nachvollziehbar ist, wie der Umstand, dass das Ganze dem Vermarkter eines kostenpflichtigen Angebots nicht wirklich schmeckt. Zu berücksichtigen gilt es hier zudem zwei Dinge: Beide Seiten sind angesichts schwindender Marktanteile (ORF) bzw nicht gerade berauschender Kundenzahlen (HD Austria – im Vergleich zum deutschen Pendant HD+ liegt man gerade einmal bei einem Drittel) zunehmendem Druck ausgesetzt – was manch (emotionsgeladenen) Rundumschlag erklären mag. Andererseits sind beide Seiten nach wie vor Geschäftspartner – und wollen daran auch nichts ändern, wie da und dort betont wird.

Dennoch ist nun seitens M7 die Rede davon, eine eigene Smartcard zu launchen, die dann – neben jenem von ORF Digital und dem von Sky – das dritte Ökosystem in der heimischen Fernsehlandschaft bilden würde. Ob das – kaufmännisch wie auch aus Kundensicht – sinnvoll ist, sei einmal dahingestellt. Es zeigt allerdings auf, dass hier aller Voraussicht nach etwas Zerfahrenes mit viel unnötigem Klein-Klein im Entstehen ist – und leider kann auch das eine „Österreichische Lösung" sein.

Wolfgang Schalko, 23.10.2014