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Wolfgang Schalko, 3.4.2014

Multimedia-Kommentar E&W 4/2014 von Wolfgang Schalko

Gefahren eines Großereignisses

Es mag zunächst vielleicht seltsam klingen, aber die Gefahr eines absatzankurbelnden Großereignisses heißt Geld. Ja, Geld! Und zwar schnelles Geld – solches, das in Form von hohen Umsätzen zwar kurzzeitig für Euphorie sorgt, jedoch nicht sehr lange in der Kassa bleibt, weil es nur wenig bis gar nichts Substanzielles an sich hat. Das einzige diesjährige Großereignis heißt übrigens Fußball-WM und findet ab Mitte Juni in Brasilien statt.

Schon im Vorfeld des bis zum Beginn des Fußball-Spektakels einzigen Messe-Events, den Frühjahrsordertagen, kann man förmlich spüren, wie die dunklen Wolken heraufziehen und das Unheil sich zu formen beginnt. Dabei hat die Bedrohung viele Namen: Sie heißt „Aktionsmodell" oder „Sonder-Edition", wurde schon sehr offensichtlich als „WM-Highlight" gesichtet, aber auch in der subtilen Form des „wichtigsten Geräts vor dem Sommerloch". Natürlich sind nun Produkte per se weder gefährlich noch zu verdammen. Ganz im Gegenteil ist es sogar begrüßenswert, wenn sich eine Branche, die sich nach wie vor in einer äußerst angespannten Lage befindet, auf ein solches Ereignis vorbereitet und sich zu diesem besonderen Anlass auch etwas Besonders überlegt. Von langer Hand geplante und sehr plakativ inszenierte „Preis-Schweinereien" sind hier nicht gemeint – denn die sind auf gewisse Mengen bzw Zweiträume begrenzt und sehr berechenbar. Die große Gefahr besteht vielmehr in den „Ausreißern" – sowohl nach oben, wie auch nach unten.

Damit ist folgendes gemeint: Läuft das Business über den Erwartungen, so wird – unverständlicherweise, jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit – bei diesem erfolgrreichen Unternehmen der „Gier-Modus" aktiviert, der sich durch den fatalen Irrglauben auszeichnet, man könne aufgrund steigender Absatzzahlen munter an der Preisschraube drehen und habe am Ende trotzdem mehr als ursprünglich erwartet (siehe oben – kurzzeitige Euphorie). Interessanterweise setzt der genau gleiche Prozess ein, wenn das Business den Erwartungen hinterher hinkt: Dann wird solange an der Preisschraube gedreht, bis die Absatzzahlen halbwegs stimmen und man am Ende zumindest mehr hat, als zwischenzeitlich befürchtet (auch hier – kurzzeitige Euphorie). Dass mit solcherlei Aktionismus keinem – und zwar wirklich keinem! – mittel- und längerfristig geholfen ist, wissen die Aktuere in der Regel, „vergessen" jedoch nur allzu gerne darauf. Was mich abschließend zum einzigen Messe-Event bis zur Fußball-WM bringt: Auf den Frühjahrsordertagen haben Sie, werte Leser, die einmalige (!!) Chance, sich nicht nur Produkte anzusehen, sondern all diese Akteure zu treffen und ihnen ins Gewissen zu reden. Nutzen Sie diese Gelegenheit!

Wolfgang Schalko, 3.4.2014