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Dominik Schebach, 5.3.2014

Hintergrundkommentar von Dominik Schebach

Ewiggestrig

Dieser Kommentar ist in gewisser Weise ein „Work in Progress", entstand er doch parallel zur hin- und herwogenden Diskussion um die Festplattenabgabe. Insofern hatte er auch etwas Therapeutisches für mich. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber mich hat die Diskussion ziemlich deprimiert. Hätte es noch eines Beweis' bedurft, dass viele unserer politischen Vertreter noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind, so wäre die Diskussion um die Urheberrechtsabgabe geeignet. Aber vielleicht bin ich auch zu optimistisch. Wenn die SPÖ-Kultursprecherin Elisabeth Hakel, sich vorstellen kann, auf drei Jahre begrenzt eine Urheberrechtsabgabe auf Festplatten einzuführen, erweckt dies den Eindruck, ihr Verständnis von Warenströmen und Versandhandel ist im Zeit der Klassik hängen geblieben. Wenn dann der zukünftige Kulturminister die Festplattenabgabe als „etwas g'scheits" bezeichnet, dann zweifle ich endgültig an unseren Volksvertretern. – Liebe Politiker, noch einmal: Anbieter von IT-, Telekom- oder UE-Produkten, sind heute in Echtzeit vergleichbar. Die Erhebung von Produktpreisen bedarf heute keiner reitenden Boten mehr, die sich heroisch durch Nacht und Sturm kämpfen, um ihrem Handelshaus einen Vorteil zu verschaffen. Der Konkurrent ist einen sprichwörtlichen Mausklick entfernt. Wenn man dies mit standardisierten Produkten wie IT-Hardware sowie einer besonders internetaffinen Käufergruppe kombiniert, dann hat man alle Zutaten für ein wirklich schönes blaues Auge im EFH.


Im Endeffekt ist es auch ein Generationsproblem. Die Digital Natives, für die der Griff zur Maus schon im Rückenmark verankert ist, und die auf einen Preisunterschied von 20 Euro mit einem reflexartigen Online-Einkauf jenseits der Grenze reagieren, sind jetzt nicht die Kernzielgruppe der Regierungsparteien. Abgesehen davon, dass diese Personen entweder aus Altersgründen oder Desinteresse noch nicht in der Politik gelandet sind. – Sorry liebe Entscheider im Hohen Haus, die Leute haben die Kohle und die Mittel, alle eure Regelungen einfach zu umgehen. Nur weil die Rechteverwerter und besonders die Musikindustrie mit ihrer jahrelangen Blockadehaltung den Internet-Trend verschlafen und sich damit ein kapitales Eigentor geschossen haben, heißt das noch lange nicht, dass man ihnen auch noch helfen muss, den österreichischen Fachhandel zu karnifeln. Es gibt bessere Modelle als eine Festplattenabgabe, die obendrein innerhalb weniger Jahre schon wieder obsolet sein wird. Ansätze wie zB ein Kulturaufschlag auf die GIS-Gebühr sind nicht so leicht zu umgehen, und belasten den heimischen Handel nicht. – Wodurch die Künstler auch zu einer gerechten Abgeltung für ihre Anstrengungen kommen, ohne dass Arbeitsplätze im Handel verloren gehen. – Fortsetzung folgt sicher. Leider, muss man sagen.

 

Dominik Schebach, 5.3.2014