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Wolfgang Schalko, 24.10.2013

Multimedia-Kommentar E&W 10/2013 von Wolfgang Schalko

Vom Eierlegen und der Wollmilchsau

Wer sich über Stunden, vielleicht sogar Tage, von Messestand zu Messestand bewegt, bekommt naturgemäß unzählige Neuheiten zu Gesicht. Mit einer gewissen Regelmäßigkeit werden einzelne, ganz besondere Produkte als „Eierlegende Wollmilchsau” in gewissen Segmenten oder Geräteklassen angepriesen.

Zwangsläufig muss man sich daher früher oder später die Frage stellen: Für wen sind solche Produkte überhaupt gut? Wem helfen sie?

Nun, je länger man darüber nachdenkt, umso kürzer wird die Liste der Bevorteilten, bis schließlich gar niemand mehr übrig bleibt. Oder anders gesagt: Bei näherer Betrachtung hat von Produkten, die scheinbar alles „können", gar keiner etwas. Auf den ersten Blick scheint ein solches Produkt natürlich höchst verlockend: Als Kunde braucht man lediglich einen Artikel zu erwerben, um ein ganz Spektrum an Wünschen abzudecken, als Händler/Verkäufer braucht man nur ein simples Beratungsgespräch zu führen, um ein – aller Wahrscheinlichkeit nach – relativ hochpreisiges Gerät los zu werden und als Hersteller braucht man nur händereibend auf eine ausreichend große Zahl an Vertretern der beiden soeben genannten Gattungen zu warten – und darf sich nebenbei vielleicht sogar noch über mediale Unterstützung leicht zu beeindruckender Journalisten freuen.

Wie in so vielen Fällen, wo Dinge allzu golden glänzen, greifen die obigen Überlegungen auch hier zu kurz. Denn was passiert, wenn das Gerät kaputt wird? Was, wenn sich Technologien oder Standards ändern? Und für den EFH am wichtigsten: Was bedeutet der Verkauf von Einzelgeräten eigentlich für die Ertragssituation? Die Antwort auf alle diese Fragen lautet: nichts Gutes. Das zeigt sich etwa am Beispiel Fernseher: In gewisser Weise ist es durchaus komfortabel, wenn sämtliche Tuner im Gerät verbaut sind – doch wenn bei diesen (oder zB bei der CI+ Schnittstelle) ein Problem auftritt, ist erst ein externes Gerät von Nöten. Spätestens mit dem Aufkommen des nächsten oder übernächsten Video-Standards, Audio-Codecs o.Ä. wird der Konsument auch merken, dass sein vermeintliches All-in-One-Wundergerät bestenfalls eine Momentaufnahme war, deren Ablaufdatum in unserer schnelllebigen Zeit äußerst schnell überschritten ist. Genau dann wird der Händler ebenfalls merken, dass mehr Geräte nicht nur per se mehr Umsatz und Marge bringen, sondern sich auch sehr günstig auf Zusatzverkäufe (HDMI-Kabel, Batterien, Ladegeräte, etc.) auswirken. Das sollte man vielleicht im Kopf haben, wenn man sich das nächste Mal über irgendwelche fehlenden Funktionen ärgern will. Denn langfristig gilt auch hier: Weniger ist eindeutig mehr. 

Wolfgang Schalko, 24.10.2013