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Wolfgang Schalko, 7.10.2013

Multimedia-Kommentar E&W 9A/2013 von Wolfgang Schalko

Nicht aus allen Wolken fallen

Die beiden wichtigsten Branchenmessen des Jahres sind geschlagen und die Stimmung hat – erfeulicherweise – einen ordentlichen Aufwärtsschub erhalten und ist wieder recht gut. Schwung und Elan von IFA und Futura mitzunehmen, Ideen umzusetzen und voller Tatendrang in die Haupsaison zu gehen ist ebenso richtig wie wichtig.

Allerdings sollte ob der wieder anziehenden Nachfrage niemand gleich wieder in Euphorie verfallen. Denn einmal mehr hat sich schlicht die Branchenregel bewahrheitet, dass mit dem Abkühlen der Temperaturen die Kauflaune wieder steigt – und genau so war's auch heuer.

Wer Friedrich Sobol kennt, der weiß um das „Gespür" wie auch das analytische Kalkül des EP:Chefs für die Branche. Und der warnte jüngst sehr eindringlich davor, dass sich die Branche wieder daran sei, sich selbst zu überholen. Noch nicht einmal die Möglichkeiten von Full-HD sind ausgereizt (1080p) und 4K steht gerade einmal in den Startlöchern, wird schon von 8K, OLED, 4K-OLED etc gesprochen. Was vermarktungstechnisch völlig sinnlos ist, weil dadurch einerseits die Investitionen für eine ganze 4K-Gerätegeneration mit einem Schlag verpuffen würden und andererseits neue Technologien immer dazu führen, dass aktuelle plötzlich mit dem Attribut „alt" aufs Abstellgleis geschoben werden und sich – wenn überhaupt – nur noch mit erhöhtem Argumentationsaufwand zu reduzierten Preisen verkaufen lassen. Nun, so drastisch gestaltet sich der Markt für Full-HD-Geräte derzeit zum Glück noch nicht, aber gegen Jahresende und vor allem dann ab 2014 müssen derzeitige POS-Argumente  wohl adaptiert werden. Auch deshalb, weil OLED im nächsten Jahr ein ernsthaftes Thema werden wird.

Dem gegenüber steht eine andere Aussage Sobols: Entgegen der – unter UE-Händlern besonders weit verbreiteten – Jammerei gibt es bei Themen wie Internetanschluss, Sound und – Überraschung – Zubehör noch jede Menge Luft nach oben. Selbst wer nur einmal seine Lieferantenbeziehungen durchforstet dürfte sehr schnell beim einen oder anderen Margenpunkt fündig werden – wenn er nur sämtliche Möglichkeiten ausreizt, die ihm offen stehen. Außerdem haben IFA und Futura neben den offensichtlichen Dingen, zumeist von den großen Marken repräsentiert, viele Beispiele dafür gezeigt, dass es durchaus auch die kleinen Dinge sein können, die Begeisterung wecken (und die Kassen füllen). Und nur weil man nicht gleich aus allen Wolken fallen sollte, ist eine angemessene Portion Begeisterung ja definitiv nicht fehl am Platz... 

Wolfgang Schalko, 7.10.2013