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Wolfgang Schalko, 7.10.2013

Elektrotechnik-Kommentar E&W 9A/2013 von Wolfgang Schalko

Der Ökonom als Ökologe

Eben noch bei über 35° Grad in der Sonne geschwitzt, ist es plötzlich wieder deutlich kühler und die Tage werden merklich kürzer. Somit sind Heiz- und Stromkosten ebenfalls wieder ein Thema, sofern in Zeiten von Wahlkampf, Regierungsbildung und politischer Weichenstellung sowieso nicht schon in aller Munde.

Interessanter Weise ist dabei folgendes zu beobachten: Es gibt eher wirtschaftsorientierte und eher umweltorientierte Fraktionen, jedoch keine, die es wirklich verstanden hat bzw diesen Eindruck erweckt, dass es sich hier nicht um zwei Paar Schuhe handelt.
Wer sich einige Eckdaten der Energieversorgung (die ja auch die Basis sämtlichen Wirtschaftens bildet) vor Augen führt  und beispielsweise bedenkt, wie sich die Preise für endliche Ressourcen in der jüngeren Vergangenheit entwickelt haben, wird, ja muss sogar zu dem Schluss kommen, dass Ökonomie und Ökologie untrennbar miteinander verbunden sind. Jegliche andere Betrachtung ist kurz-, bestenfalls mittel- aber ganz sicher nicht langfristig gedacht. Denkmuster á la „Wir müssten eigentlich CO2 reduzieren, um die Umwelt für die nächste Generation zu bewahren, aber das kostet Unsummen von Geld, das wir lieber anderswo ausgeben" sind leider sehr weit verbreitet – und vollkommener Unsinn.

Wer sich in obigem Argumentationsschema wiederfindet, ist in die Falle getappt, dass die Energiewende Geld kosten würde. Argumentiert man in der „richtigen" Reihenfolge, wird das Ganze sehr schnell plausibel: Wir müssen nicht unsere CO2-Emmissionen reduzieren, indem wir zB grünen Strom erzeugen, sondern genau umgekehrt. In Anbetracht der Knappheit (und Begrenztheit) fossiler Energieträger ist es früher oder später ohnehin unumgänglich, unsere Energieversorgung auf eine andere Basis zu stellen. Dafür bieten sich aus heutiger Sicht die Erneuerbaren sehr gut – mit dem angenehmen Nebeneffekt, auch gleich den CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Erfreulicher Weise haben das in der E-Technik bereits einige Akteure erkannt und versuchen, die Branche für diese zukünftigen Notwendigen in Stellung zu bringen. Denn wie keinem anderen Wirtschaftszweig ist es den Unternehmen unserer Branche möglich, einen sinnvollen – um nicht zu sagen fast uneigennützigen – Beitrag zu leisten und daraus auch noch gutes Kapital zu schlagen. Und wenn Sie sich jemandem gegenüber sehen, der behauptet, Strom sei ebenso wenig zum Heizen da wie Essensreste, dann entgegnen Sie einfach, dass es auch durchaus sinnvollere Einsatzmöglichkeiten für Erdöl gibt, als es in unwirtschaftlichen Motoren zwecks genauso unwirtschaftlicher individueller Fortbewegung zu verbrennen. Das Stichwort lautet Plastiksackerl – denn spätestens bei der Frage, woraus denn die von uns allen überall und andauernd verwendeten Kunststoffe gemacht sein könnten, dämmert's denn meisten dann doch...

Wolfgang Schalko, 7.10.2013