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Dominik Schebach, 11.7.2013

Ein Gastkommentar von Robert Ribic

Eine Branche redet nicht miteinander

Telekommunikation ist eine Wortmischkulanz aus dem Griechischen  tele – fern – und dem Lateinischen communicare – mitteilen. Und es gibt eine Kommunikationsbranche, die davon lebt, dass möglichst viele Leute möglichst viel einander über Distanzen mitteilen.

Soweit so unspektakulär.

Jetzt gibt es natürlich auch die Möglichkeit, dass zwei Personen aus der Telekommunikation einander etwas sagen wollen – via tele und communicare – weil etwas Geschäftliches zu erledigen ist. Da wird’s kompliziert.

Variante eins: Der/die angerufene TeilnehmerIn nimmt gar nicht an. Das lässt viele Schlüsse zu, erledigt aber nichts.

Variante zwei: Der/die TeilnehmerIn verfügt über ein modernes Smartphone, auf dem man nach dem ersten Läuten eine automatisch generierte Nachricht versenden kann, etwa „Bin in einer Besprechung“ oder „Bin im Auto“ oder „Bin am Klo“ oder „Bin verstorben“. Dann weiß man: Der/die Angerufene ist viel beschäftigt; wann das Gespräch über die meist dringende Erledigung stattfinden wird, weiß man nicht, das ist dann Lotterie.

Variant drei (sehr beliebt): Der/die TeilnehmerIn keucht atemlos in den Apparat: „Ich rufe in fünf Minuten zurück!“ Das muss man so nicht ernst nehmen. Tatsächlich erfolgt der Rückruf in ein bis zwei Jahren. Dann hat sich die Erledigung erledigt, weil beide GesprächspartnerInnen die Branche gewechselt haben, pleite gegangen sind oder längst auf den Seychellen den Ruhestand genießen.

Es ist und bleibt ein ewiges Rätsel, warum in der Telekommunikation alles funktioniert außer der Telekommunikation untereinander. Die Wertschätzung füreinander ist ja groß. Sollte man eine/n GeschäftsparterIn nach Monaten einmal persönlich treffen, lautet der erste Satz meist: „Hast du mich nicht vor kurzem einmal angerufen?“ Meist korrekte Antwort: „Ja, das war vorigen Oktober …“

Nun ist Österreich einwohnermäßig geringfügig kleiner als etwa China. Die meisten innerhalb der Branche kennen einander, haben die Namen ihrer GesprächspartnerInnen in ihre Geräte eingespeichert und wissen daher, wer anruft. Dass das Reden dann nicht klappt, liegt wohl an der komplizierten griechisch-lateinischen Wortmischkulanz. Tele – zu weit; communicare – zu  umständlich.

Dominik Schebach, 11.7.2013