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Wolfgang Schalko, 16.5.2013

Multimedia-Kommentar E&W 5/2013 von Wolfgang Schalko

Den Umständen entsprechend…

Beim Frühjahrsordertage-Rundgang fiel eines besonders auf: Die Stimmung in den Messehallen entsprach der Salzburger Wetterlage an jenem Aprilwochenende und war somit im Bereich heiter bis strahlend angesiedelt. Beim Blick auf die UE-Marktentwicklung in den ersten Monaten des Jahres…

…fiel ebenfalls etwas besonders auf: dass hier eher Schneesturm oder sibirischer Winter angesagt schienen und damit so ziemlich genau das Gegenteil des Ordertage-Wetters. So lobenswert es ist, dass die Händler die Köpfe ebensowenig hängen lassen wie die Industrie – aber wie passt das zusammen? Kann tatsächlich die gesamte Branche urplötzlich von der totalen Realitätsverweigerung ergriffen worden sein?

Wohl kaum. Der vermeintliche Realitätsverlust lässt sich nämlich durchaus auch als professionelles Agieren deuten, da es definitiv einen großen Vorteil gibt, wenn man sich gerade im Tal befindet: Sobald man sich bewegt, geht's zwangsläufig bergauf. Und da noch jedes Jahr eine Umsatzdelle aufgewiesen hat bzw es ja laufend passiert, dass spontan die große Kauflust ausbricht oder der Kaufrausch abrupt schwindet und es für dieses wie jenes in der Regel keine plausible Erklärung gibt, ist es erst recht als professionell zu bezeichnen, die Dinge zu nehmen, wie sie kommen. Einiges lässt sich eben beim besten Willen (und auch mit den besten Ideen) nicht grundlegend ändern... In Anbetracht der Umstände sei daher nochmals betont: Alle Achtung für die positive Stimmung bei den Ordertagen.

Umso bemerkenswerter erschien diese, nachdem sich einige Aus- und Hersteller alles andere als glücklich zum diesjährigen Termin geäußert hatten. „Zu spät" lautete der allgemeine Tenor, im nächsten Jahr müsse man unbedingt in die erste Aprilhälfte vorrücken. Begründet wurde dies ebenfalls fast einhellig damit, dass der Sortimentswechsel mit Beginn des neuen Geschäftsjahres (bei asiatischen Unternehmen bekanntlich zumeist am 1. April) geschehe und ein später Ordertage-Termin an einer absatzmäßigen Flaute wie derzeit somit (zumindest mit-)schuld sei. Ergo wird es 2014 einen früheren Termin geben und das Problem damit beseitigt sein. Was man von einem anderen, ebenfalls öfters geäußerten Vorschlag noch nicht mit Sicherheit sagen kann: „Zu kurz" lautete dieser. Man brauche mehr Zeit, um die Händler über die Neuheiten zu informieren, gleich vor Ort zu schulen usw. – ein entsprechendes Rahmenprogramm eben. Man darf schon jetzt auf die zu erwartende Diskussion gespannt sein. Daher ziehe ich noch ein drittes Mal den Hut – vor der guten Stimmung in Salzburg.

Wolfgang Schalko, 16.5.2013