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Stefanie Bruckbauer, 16.5.2013

Kommentar von Stefanie Bruckbauer

Von Brechreiz und Durchhaltevermögen

Ein Begriff, dessen Bedeutung bis vor einiger Zeit fast gänzlich unbekannt war, den bis heute kaum einer buchstabieren, geschweige denn aussprechen kann und der in der Branche mittlerweile durch bloßes Erwähnen zu unkontrolliertem Kopfschütteln und Brechreiz führt, ...

... ist:

Geplante Obsoleszenz! 

Der VKI hat ja gerade seine, über Monate durchgeführte Befragung zum Thema abgeschlossen – das Resultat: „Mehr als die Hälfte der Teilnehmer, genauer gesagt 55%, ist der Überzeugung, dass die künstliche Herabsetzung der Produktlebensdauer System hat. Lediglich 4,1% sehen das auf Einzelfälle beschränkt und ganze 0,5% halten die laufende Diskussion für maßlos übertrieben.“ Das Ergebnis überrascht mich ehrlich gesagt wenig: Die 55% sind wahrscheinlich genau jene Verbraucher, die davon ausgehen, dass eine 199 Euro Waschmaschine ewig halten muss.

Viel Aufsehen hat der VKI-Ergebnis-Bericht auf jeden Fall nicht erregt – das Thema ist nahezu totgeredet. Aber nur fast. Wie mir auf den Frühjahrsordertagen nämlich erzählt wurde, werden manche Händler noch immer mit Konsumentenfragen und die Industrie mit Händlerfragen konfrontiert.

Ich glaube ja: Auch wenn diese mühselige Debatte echt anstrengend ist, wenn das ganze Thema einmal durchgekaut ist, dann werden einige profitieren. Und zwar jene Hersteller, die auf Qualität und Langelebigkeit ihrer Geräte setzen und das zB. auch noch mit verlängerten Garantiezeiten (wie u.a. Bauknecht mit „2+2“ oder Gorenje mit „GPS“) untermauern. Und profitieren werden auch jene Händler, die diese Geräte verkaufen. Immer mehr Konsumenten werden draufkommen, dass diese ganze Geiz ist geil-Scheiße zu nichts führt, dass das reine Augenauswischerei ist. Es kann einfach nicht funktionieren, eine qualitativ hochwertige Waschmaschine um 200 Euro auf den Markt zu schleudern. Und ganz ehrlich: Was ist aus Konsumentensicht billiger: Eine Waschmaschine um 1.000 Euro, die zehn Jahre lang hält. Oder ein Gerät um 200 Euro, das alle eineinhalb Jahre den Geist aufgibt und Energiekosten verschlingt. Das Hin- und Hertransportieren, Ein- und Auspacken, An- und Abschließen nicht zu vergessen, weil Service ist bei dem Preis auch keines mehr drinnen.

Also: Geduld haben und durchhalten. „Immer mehr Konsumenten greifen wieder zu hochwertigen Produkten auch wenn sie teurer sind“, sind sich Marktforscher einig - und das lässt hoffen ...

Stefanie Bruckbauer, 16.5.2013