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Dominik Schebach, 15.5.2013

Kommentar Dominik Schebach

Branchen-Haiku

Um Niedermeyer ist es still geworden. Während die aufgelassenen Filialen langsam neue Mieter finden, andere in den Dornröschenschlaf versinken, bleibt das weitere Schicksal der Kette selbst im Dunkeln. Wie soll man auf diese Situation reagieren? Man könnte es mit einem Branchen-Haiku im strengen Format von 5-7-5 Silben versuchen:

Vom Blau fällt Nieder

Meyer ist die Kette nun

Der Kampf geht weiter

Formal richtig – inhaltlich bleibt es in letzter Konsequenz abzuwarten. Leider hilft uns dies jetzt unmittelbar nicht weiter. Denn der Telekom-Markt ist weiterhin im Umbruch: Neue Produkte wie Tablets gewinnen an Bedeutung und werden schon wieder beim Preis verrissen. Gleichzeitig wird wohl noch eine weitere Verschiebung zum Internet stattfinden. Wie TFK-Chef Franz Reitler richtig anmerkte, werden durch anstehende Änderungen im Steuerrecht auf EU-Ebene sowie bei den Versandbedingungen hier die Karten neu gemischt, die es auch kleineren Playern ermöglichen sollte, sich im Online-Handel gegen die großen wie Amazon zu behaupten.

Niedermeyer ist mit seinem Konzept des Elektro-Nahversorgers für Mobilfunk, Foto und IT allerdings gescheitert, und auch die Partnerschaft mit Cyberport konnte die Kette nicht vor der Insolvenz retten. Multichannel ist zwar das Schlagwort der Stunde, die Umsetzung ist allerdings alles andere als einfach. Besonders bei Produkten wie in der Telekommunikation, bei denen der Handel vor allem Verträge vermittelt, wird es für die einzelnen Händler schwer, die richtige Rolle für sich zu finden. Geht es nur um den Mobilfunkvertrag, dann kann der Kunde leicht ins Netz direkt zu den Angeboten der Betreiber ausweichen. Geht es alleine um die Hardware, so finden sich auf den diversen Online-Plattformen immer die billigeren Geräte.

Erstklassige Beratung, Flächendeckung, Service und direkter persönlicher Kontakt zum Endkunden werden weiterhin entscheidende Zutaten zum Erfolgsrezept des Handels sein. Aber der Fachhandel hat auch im Netz die Chance zu punkten, wenn er Dinge anbieten kann, die einzigartig sind.  Bei meinem Lieblingsbeispiel Konvergenz hieße das, dass der Fachhandel dem Kunden nicht nur alle gewünschten Geräte anbietet, sondern diese auch verknüpft und im Fall des Falles die notwendige Software bereithält, damit die einzelnen Elemente zu einem Ganzen zusammenwachsen können.

Dominik Schebach, 15.5.2013