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Stefanie Bruckbauer, 22.6.2016

Von beispielhaft bis nicht nachvollziehbar

Kultur & Werte

In Zeiten wie diesen, in denen es kaum möglich ist mit der Geschwindigkeit der voranschreitenden Digitalisierung mithalten und die damit einhergehenden Herausforderungen meistern zu können, schrauben und drehen viele Firmen an ihrer Kultur. Sie überprüfen ihre Werte, verändern Vorgehensweisen und stecken neue Ziele. Die einen machen das beispielhaft, andere fragwürdig aber doch nachvollziehbar und wiederum andere agieren völlig am guten Menschenverstand vorbei ...

Ich finde es gut, wenn Konzerne wie Unito (das Unternehmen hinter den Marken Otto, Quelle und Universal) ihre Firmenkultur und Werte völlig umkrempeln (siehe „Mit_Vollgas_gegen_die_Tunnelwand“ hier im Downloadbereich oder in der E&W 6/2016, S. 23). Um mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung heutzutage mithalten zu können wurden nämlich gravierende Einschnitte gemacht. Das beginnt damit, dass alle Mitarbeiter in dem einst konservativen Versandhandelshaus per Du sind - selbst das Reinigungspersonal sagt zum Vorstand Du. Die Mitarbeiter werden seit kurzem als Kapital anerkannt. Jeder Einzelne hat Potenzial, denn jeder einzelne hat Ideen und die können zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Die Mitarbeiter werden gefragt, eingebunden und dazu aufgefordert öfter selbst zu entscheiden. Sie fühlen sich automatisch wertgeschätzt, sind motivierter und dem Unternehmen tiefer verbunden. Eigentlich logisch, dass sie dadurch besser arbeiten. Auch Fehler machen ist erlaubt. Das gehört dazu, sagen die Unito-GFs, die gleichzeitig predigen keine Angst vor dem Scheitern zu haben, Kontrollverlust zu akzeptieren und risikofreudig zu sein. All das schenke Geschwindigkeit, weil man nicht mehr so viel mit überlegen, sichergehen, abwägen und sinnlose Fragen stellen, die eh keiner beantworten kann, beschäftigt ist. Nie aus den Augen verliert Unito bei all dem seine Kunden. Die müssen verstanden und ihre Vorlieben befriedigt werden. Und auch die Lieferanten werden hofiert, denn: „Kein Unternehmen dieser Welt kann auf Dauer gegen seine Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten erfolgreich sein“, ist Unito überzeugt. Wie wahr! Und auch wenn ich Harald Gutschis Aussage über den stationären Handel (dass dieser nämlich gerade mit Vollgas im Tunnel gegen die Wand brettert, weil er keine Antworten auf das Heute findet) als Provokation erachte - was die Jungs von Unito kultur- und wertetechnisch auf die Beine stellen, finde ich genial.

Da gibt es ganz andere Beispiele von Firmen- und Wertekultur- zB. Bose (siehe „Bose“ hier im Downloadbereich oder in der E&W 6/2016, S. 54ff). Das Unternehmen pfeift sowohl auf langjährige, gute Mitarbeiter, als auch auf seine Handelspartner, von denen viele über Jahre treu waren und hart gearbeitet haben für diese Marke. So ein Bose-Teil um ein paar Tausender verkauft sich nämlich bei Gott nicht von alleine. Da muss ein Händler schon viel reden, zeigen, hin und her fahren und Überzeugungsarbeit leisten, bis so ein Gerät an den Mann gebracht ist. Doch das haben viele Händler gerne getan. Der Dank: Die Vertragskündigung seitens Bose.

Eingesetzt hat sich der EFH auch jahrelang für die Marke iRobot. Und nun werfen die Händler auch dem Unternehmen hinter den iRobots, Robopolis, unfaires Handeln vor. Vom EFH groß machen lassen und dann nicht mehr kennen, lautet der Vorwurf. Der Hintergrund: Robopolis lässt sein jüngstes Highend-Produkt exklusiv über Media-Saturn vertreiben. Der EFH darf es nicht verkaufen. Nach außen scheint dieses Vorgehen schlicht unfair und nicht nachvollziehbar, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich Robopolis nach wie vor Fachhandelstreue auf die Fahnen heftet. Wir trafen den Robopolis Chef S. Klein und er erklärt sich daraufhin angesprochen - von Dilemma ist dabei die Rede und von Wiedergutmachung. Aber lesen Sie selbst und machen sich Ihr eigenes Bild (siehe „Robopolis“ hier im Downloadbereich oder in der E&W 6/2016, S. 32f) ...

Dalai Lama sagte übrigens einst: Es geht darum, ein Gleichgewicht herzustellen zwischen materieller Entwicklung und menschlichen Werten ...

Stefanie Bruckbauer, 22.6.2016
        





Interessierter Leser | 10. 8. 2016, 22:16 Uhr