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Wolfgang Schalko, 21.5.2015

Aktuelle Erhebung in Wien

Handwerkerkosten: AK kritisiert, WK relativiert

Die AK hat zwischen Jänner und April die Arbeitskosten bei elf Elektrikern, 15 Installateuren, acht Thermen-Werkskundendiensten, zehn Installateur-Notdiensten, elf Schlossern und 14 Glasern in Wien erhoben und die Preise mit ihrer letzten Erhebung aus dem Jahr 2011 verglichen. Ergebnis: durchwegs Erhöhungen im zweistelligen Prozentbereich. Für die WKÖ ein Anlass, rund um die vermeintliche Kostenexplosion einiges klar zu stellen.

Laut AK Preismonitor schlagen sich die Stundensätze für Elektriker, Installateur & Co schlagen teuer zu Buche, obendrein werde die Rechnung meist noch durch die Fahrtkosten „aufgefettet", die wiederum von den Betrieben unterschiedlich berechnet werden. Für Notdienste außerhalb der Geschäftszeiten, an Sonn- und Feiertagen heiße es noch kräftiger zahlen. Das zeigt ein AK Preismonitor bei 69 Handwerker-Betrieben in Wien zwischen Jänner und April.
Einige Beispiele, was Handwerker für die Arbeitsstunde verlangen:

  • Elektriker (Monteur u. Helfer): 111,00 bis 144,00 Euro (gegenüber 2011: +11%)
  • Installateur (Monteur u. Helfer): 115,20 bis 147,50 Euro (+10%)
  • Installateur Werkskundendienst (Monteur/Techniker): 72,00 bis 114,00 Euro (+15%)
  • Schlüsseldienst (tosischen Schlüssel nachmachen): 8,00 bis 30,00 Euro (+18%)
  • Schlüsseldienst (mechanischen Autoschlüssel nachmachen): 6,29 bis 32,00 Euro (+26%)
  • Aufsperrdienst (Wohnbezirk/Geschäftszeit): 60,00 bis 120,00 Euro (+10%)
  • Aufsperrdienst (Wohnbezirk/Sonn- u. Feiertage): 90,00 bis 150,00 Euro (0%)

Zum Preis für die Handwerker-Arbeitsstunde kommen meist noch Wegzeitkosten oder ein Fahrtkostenpauschale dazu, heißt es seitens der AK weiter. Manche Betriebe würden noch extra ein Fahrzeugpauschale (für die Abnutzung des Pkw) draufschlagen. Bei den Elektrikern zum Beispiel hätten rund drei Viertel der untersuchten Betriebe (acht von elf) angegeben, dass sie für die Wegzeit die Arbeitszeitkosten verrechnen. Davon stellten sechs Betriebe noch zusätzlich ein Fahrzeugpauschale zwischen rund 20 und 37 Euro im Raum Wien in Rechnung. Die restlichen drei verlangten ein Fahrtkostenpauschale zwischen rund 50 und 77 Euro. Alle acht geprüften Installateur Werkskunden-Dienste verrechneten ein Fahrtkostenpauschale – in Wien und Umgebung bis rund 25 Kilometer 36 bis rund 102 Euro. Beim Installateur-Notdienst etwa komme es darauf an, ob der Betrieb im gleichen Bezirk wie der Konsument ist, dann koste die Arbeitsstunde während der Geschäftszeiten 87,36 bis 184,60 Euro, komme er aus einem anderen Bezirk, sind es 127,20 bis 204,60 Euro. Darin enthalten seien eine Monteurstunde, eine halbe Stunde Wegzeit, Fahrtkosten. Außerhalb der Bürozeiten, an Sonn- und Feiertagen werde es durch Zuschläge noch teurer. Der Verbraucherpreisindex (VPI) stieg zwischen März 2011 und März 2015 um 7,6 Prozent an –  die Handwerkerpreise würden somit meist deutlich über der allgemeinen Teuerung liegen. Die AK Konsumentenschützerin Manuela Delapina rät daher, „die Preise zu vergleichen und mehrere Angebote einzuholen. Bei den Fahrtkosten sollten sich die Konsumentinnen und Konsumenten genau erkundigen, was verrechnet wird."
Der komplette Preismonitor Handwerkerkosten in Wien ist auf der AK Homepage unter wien.arbeiterkammer.at sowie beigefügt als PDF-Datei zu finden.

WKÖ kontert

„Der zuletzt publizierte Preisvergleich von ausgesuchten Handwerksbetrieben in Wien zeigt einmal mehr: Wir haben es stark mir einer angespannten Kostensituation zu tun. Lohnnebenkosten, bürokratische Belastungen und ´Zusatzhürden´ wie sie in Wien durch eine schwierige Anfahrts- und Parkplatzsituation bestehen, müssen in die Kalkulation mit einbezogen werden", betonten daraufhin unisono die Bundesinnungsmeister der Metalltechniker, der Elektrotechniker und der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker Harald Schinnerl, Josef Witke und Michael Mattes in Reaktion auf den Preismonitor der Arbeiterkammer.

Gewerbe- und Handwerksbetriebe – gerade in den Branchen Elektrik, Installationen, Schlosser & Co – seien Klein - und Kleinstbetriebe, die in einem starken Wettbewerb stehen. Dass sich die Erhöhung einer Elektriker- bzw. Installateurstunde mit 10 bzw. 11 Prozent innerhalb von 4 Jahren nahe an der Erhöhung des VPI von knapp 8 Prozent bewegt, zeige, dass hier die Kostendeckung und nicht der Profit im Vordergrund stehe. Denn allein zwischen 2008 und 2013 stiegen in Österreich die Arbeitskosten um 18,9 Prozent, so die Branchenvertreter. Hinzu komme, dass es in den genannten Branchen in den letzten Jahren enorme technologische Weiterentwicklungen gegeben hat, was aufwändige Schulungen von Mitarbeitern sowie die Anschaffung teurer Messgeräte und Spezialwerkzeuge mit sich bringe. Der immer größer werdende Umfang an europäischen Vorschriften und Normen führe ebenso zu hohem Zusatzaufwand, der nicht von den Betrieben verursacht wird, aber in die ordentliche Kalkulation einbezogen werden muss. Heißt im Klartext: Falsch kalkulierende Unternehmen sind oft bald nicht mehr am Markt, wobei die Kunden mit ihren Gewährleistungsansprüchen oder Service- und Wartungsverträgen und damit Kundenzufriedenheit oder im schlimmsten Fall auch die Sicherheit von Leib und Leben auf der Strecke bleiben.

Abschließender Kritikpunkt: Von Seiten der AK sei nicht gefragt worden, wie es um die Kundenzufriedenheit nach erledigtem Auftrag bestellt sei. Diese gelte es in eine Bewertung miteinzubeziehen.

Wolfgang Schalko, 21.5.2015