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Wie Creditreform informiert ist die Zahl der Firmeninsolvenzen auf einen historischen Tiefststand gesunken. Im Handel gingen die Unternehmensinsolvenzen um ganze 8,4% zurück. Zurücklehnen könne man sich aber nicht! „Vorsicht ist geboten, das unternehmerische Risiko ist keinesfalls in die Geschichte eingegangen“, sagt Creditreform. Ein erstes Warnzeichen, dass sich die Zeiten auch ändern können, gebe es bereits: Im Jänner 2018 stiegen die Firmeninsolvenzen nämlich schon wieder um +15,6% an. (Grafik: Creditreform)

Stefanie Bruckbauer, 19.2.2018

Historischer Tiefststand - Dennoch ist Vorsicht angebracht

Firmeninsolvenzstatistik 2017

Wie schon der KSV 1870, informiert nun auch Creditreform, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich im Jahr 2017 weiter gesunken ist – laut Creditschutzverband auf den niedrigsten Stand seit 2002. Erfreulicherweise verzeichnete auch der Handel ein Minus bei den Insolvenzen um 8,4%. Insgesamt sei allerdings Vorsicht angebracht, wie Creditreform sagt, Anfang 2018 sind die Insolvenzen nämlich wieder angestiegen. 

Die endgültigen Zahlen der Creditreform Firmeninsolvenzstatistik für das Gesamtjahr 2017 zeigen einen weiteren Rückgang bei den Unternehmenspleiten – und zwar „auf einen historischen Tiefststand seit 15 Jahren“, wie das Unternehmen sagt. Die Zahl der Verfahren um ist um rund -4% auf 5.318 gesunken. Die Zahl der eröffneten Verfahren ist dabei um knappe -6% auf 3.162 Fälle, die Zahl der mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesenen Fälle um -0,8% auf 2.156 zurückgegangen.

„Die Hauptursachen der Insolvenzen liegen überwiegend in kaufmännischen Fehlern der Geschäftsführer, im Preisdruck und in sinkenden Margen aufgrund des Wettbewerbs und in Forderungsverlusten“, sagt Creditreform, laut dem vor allem Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern betroffen sind. 15% aller Insolvenzen wurden als Sanierungsverfahren eröffnet. Knapp drei von zehn Konkursen mündete in einen Sanierungs-/Zahlungsplan. „Somit zeigt sich das österreichische Insolvenzrecht sehr sanierungsfreudig und gibt den Unternehmen in rund 40% aller Insolvenzen oft eine zweite Chance, das aber unter Berücksichtigung der Interessen der Gläubiger“, sagt Creditreform.

Blick auf die Bundesländer

Der Bundesländervergleich zeigt den stärksten Rückgang im Burgenland (-14%), in Salzburg (-12,4%) und in der Steiermark (-12,2%). Lediglich in Niederösterreich gab es einen Zuwachs an Insolvenzen um +11,5%. Die höchste Insolvenzbetroffenheit herrschte in Wien mit knapp 18 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen. Österreichweit wurden im Durchschnitt etwas mehr als 11 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen gezählt. 

Branchenvergleich

Die drei, laut Creditreform, seit Jahren am stärksten betroffenen Branchen sind das „Bauwesen“, das „Beherbergungs- und Gaststättenwesen“ und die „Verkehr- und Nachrichtenübermittlung“ (Transportwesen) mit den meisten Insolvenzen je 1.000 Branchenunternehmen. Den stärksten Rückgang verzeichnete die Sachgütererzeugung (Industrie) mit Minus 11,7%. Den stärksten Zuwachs meldete der Tourismus mit einem Plus von 5,7%. „Volkswirtschaftlich erfreulich ist, dass es dank der guten Konjunktur und des Privatkonsums beim Bau und im Handel einen Rückgang der Insolvenzen um 11,2% bzw. um 8,4% gab“, ergänzt Creditreform.

Fazit

Creditreform fasst zusammen: „Die österreichische Wirtschaft hat im vergangenen Jahr an Fahrt aufgenommen und verzeichnete ein reales BIP-Wachstum von ca. 3%. Das volkswirtschaftliche Umfeld ist gekennzeichnet durch eine starke Exportindustrie, eine gute Binnennachfrage und eine wiederbelebte Gründerszene, eingebettet in ein Niedrigzinsumfeld der EZB. Daher verwundert es kaum, dass die Firmeninsolvenzen auf einen Tiefststand seit 15 Jahren gesunken sind. Kann man sich also zurücklehnen? Vorsicht ist geboten, das unternehmerische Risiko ist keinesfalls in die Geschichte eingegangen. Die Zeiten bleiben volatil, die digitale Transformation schreitet unaufhaltsam voran, Neues kommt schneller, Altes vergeht schneller. Der Wettbewerb schläft nicht. Unternehmen haben sich daher mehr denn je um ihr Risikomanagement zu kümmern. Dazu zählt insbesondere in guten Zeiten mit viel Neugeschäft die Bonitätsprüfung der neuen Kunden, die schnelle Rechnungslegung, ein effizientes Mahnservice und damit das Hintanhalten von Forderungsausfällen. Ein Geschäft ist erst dann gemacht, wenn das Geld am eigenen Konto ist. Diese Binsenwahrheit des Kaufmannes gilt auch 2018. Ein erstes Warnzeichen, dass sich die Zeiten auch ändern können, gibt es bereits: Im Jänner 2018 stiegen die Firmeninsolvenzen um 15,6%.“

Stefanie Bruckbauer, 19.2.2018