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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Dienstag, 21. November 2017
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Wolfgang Schalko, 10.9.2015

Multimedia-Kommentar E&W 9/2015 von Wolfgang Schalko

Versinkt das Land im Chaos?

Angesichts der aktuellen globalen und nationalen sowie politischen, wirtschaftlichen und humanitären Entwicklungen gäbe es unzählige Gelegenheiten, um die im Titel gestellte Frage anzubringen. Auch im Umfeld der Elektrobranche und Unterhaltungselektronik ist sie dieser Tage angesichts der gewaltigen Umwälzungen am heimischen Markt mehr als berechtigt.

Wer jetzt sofort an HB Austria denkt, der liegt – leider – völlig richtig. Aber dazu später, denn die nicht nur die HB, sondern die gesamte Vertriebslandschaft befindet sich momentan im Umbruch. Bei weiter reichenden Überlegungen muss man zwangsläufig zur Einsicht gelangen, dass es in der Unterhaltungselektronik momentan einfach „nicht läuft": Dass die Margensituation nicht gerade rosig, aber die Preise dafür massiv unter Druck sind, ist der Handel im Allgemeinen und der Fachhandel ganz im Speziellen ja gewohnt. Wenn nun aber auch noch die Nachfrage zu wünschen übrig lässt und die Kunden ausbleiben – in einem über das „Sommerloch" in jeder Hnsicht weit hinausreichendem Maß – dann stellt das eine ganze Reihe von Betrieben vor erhebliche, teils sogar existenzielle Probleme. Das verdeutlicht auf ganz fatale Weise, dass heute sämtliche Reserven aufgebraucht sind und die Substanz bis aufs Äußerste strapaziert ist. Doch nicht nur im Handel, sondern auch und gerade auf Seiten der Industrie ist die Lage prekär – davon zeugen alleine die mit steigender Frequenz fortgeführten Zusammenlegungen, Übernahmen oder Rückzüge. Und wenn sich der Handel eingestehen muss, dass er an der momentanen Misere nicht ganz unschuldig ist, dann muss das die Industrie erst recht: Denn wie lange haben etwa die – als ach so strikt zu exekutierenden – Preiserhöhungen aufgrund der Euro-Dollar-Kursentwicklung gehalten? Als der Lager- und Umsatzdruck zu groß wurde – und hier wird in Tagen und Wochen, nicht in Monaten oder Jahren gerechnet – wurde wieder Domino gespielt. Einer nach dem anderen ist „umgefallen".

Genau das hat aber auch enorme Auswirkungen auf die Vertriebspolitik: Um ein paar Margenpunkte einzusparen, flüchten sich Hersteller aus den Armen der Distributoren in die „Direktbetreuung". Ob das – oder gar eine ferngelenkte Key Account-Truppe – der probate Weg aus einer ganz offensichtlichen Misere ist, darf bezweifelt werden. Lieferanten wie die HB (aber nicht nur die HB), die sich immer für den Fachhandel stark gemacht haben und von dieser Philiosophie auch nie abrücken werden, sind es aber, die den Fachhandel mit all ihren Leistungen auf diesem Level, vielleicht sogar am Leben erhalten haben. Jeder Händler sollte sich also sehr genau überlegen, mit wem er sich ins Bett legt... Bezeichnend für die Situation ist schließlich auch der Blick auf die Ausstellerliste der Futura: Das Argument der großen UE-Hersteller, man bleibe der Messe mangels ausstellungswürdiger Neuheiten fern, wirkt angesichts der IFA-Stände (und -Hallen) geradezu lächerlich. Das einzige, woran es offenbar wirklich mangelt, sind nicht Innovationen, sondern bloß gute Ideen.

Wolfgang Schalko, 10.9.2015