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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Montag, 20. November 2017
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Wolfgang Schalko, 1.8.2015

Multimedia-Kommentar E&W 7-8/2015 von Wolfgang Schalko

Mach‘ es wie die Sonnenuhr …

… zähl‘ die heit‘ren Stunden nur! Obwohl gerade Sommer ist, klingt dieses kleine Sprüchlein für einige namhafte Player der UE-Branche wohl eher wie eine Farce – denn da gibt‘s momentan nicht allzuviel zu zählen. Etwa bei den japanischen TV-Herstellern, die nicht und nicht aus der Krise kommen wollen. Mit Ausnahme von Panasonic machten diese in den letzten Wochen durch eine Reihe von alarmierenden Meldungen von sich reden.

Für Schlagzeilen sorgte einmal mehr Sony: Weil der Konzern nach anhaltenden Verlusten frisches Geld braucht, holt er es sich bei seinen Aktionären – mit einem milliardenschweren Verkauf von Aktien und Wandelanleihen. Insgesamt sollen dabei im Juli 440 Milliarden Yen (rund 2,9 Mrd Euro) erlöst werden, wie Sony kürzlich mitteilte. Einem Bericht der japanischen Zeitung „Nikkei" zufolge wäre es das erste Mal seit 26 Jahren, dass sich Sony frisches Geld bei den Aktionären holen muss. Der zunehmende Preisdruck hat auch Sharp in die Krise geführt: Einst Vorreiter bei Flachbildschirmen, kämpft der Konzern heute ums nackte Überleben. Im letzten Jahr hatte der Konzern 1,6 Milliarden Euro Verlust eingefahren, die Sanierung soll über zwei Rettungspakete, den Verkauf der Konzernzentrale in Osaka sowie die Ausgliederung mehrerer Geschäftszweige in Tochtergesellschaften gelingen.Nun hat der Konzernchef Kozo Takahashi die Aktionäre um Verzeihung für die schlechte Performance gebeten und auch eine Fusion mit anderen Konzernen nicht ausgeschlossen. Mit dem Ausstieg von Toshiba aus der TV-Sparte in Europa wurde nun ein neuer vorläufiger Tiefpunkt erreicht (siehe Artikel links). Das Unternehmen verabschiedet sich – wie zuvor schon in den USA – von der TV-Produktion und dem Gerätevertrieb in Europa, das Gleiche Szenario wird für den asiatischen Raum angepeilt.

Dass solche Entwicklungen zu einer zunehmenden Schieflage des Marktes führen, ist nicht von der Hand zu weisen – des einen Leid ist bekanntlich des anderen Freud, und Nutznießer sind, zumindest kurzfristig, wohl die ohnehin schon dominanten koreanischen Hersteller. Auf der anderen Seite ist der Entschluss von Toshiba keineswegs ein Einzelfall, sondern mit Philips und TPV, Loewe und Hisense oder Metz und Skyworth gibt es in der jüngeren Vergangenheit eine ganze Reihe von Beispielen, sich elegant zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen lassen: Während die einen (die aufstrebenden Firmen aus China und Taiwan) schnell die Füße in den europäischen Markt bekommen und eine intakte Vertriebsstruktur vorfinden,werden die anderen (die eingesessenen strauchelnden Unternehmen) mit frischen Technologien versorgt und dadurch wieder konkurrenzfähig. Am Ende könnten davon nicht nur die involvierten Unternehmen, sondern auch der Handel und die Konsumenten profitieren – sofern das vorhandene Gute nicht dem Rotstift zum Opfer fällt und das weitere Wachstum orgenisch von statten geht, dh ohne die Marken zu „verheizen". So fiele eventuell auch wieder etwas Zählbares für die Sonnenuhr ab...

Wolfgang Schalko, 1.8.2015