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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Samstag, 18. November 2017
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Wolfgang Schalko, 11.6.2014

Multimedia-Kommentar E&W 6/2014 von Wolfgang Schalko

Smart auf Um- und Abwegen

Verschmelzen, verbinden, zusammenwachsen, ergänzen, etc. – Eigenschaften wie diese werden heute großzügig unter dem Begriff „Smart” subsumiert. Schließlich kommt kaum noch ein Gerät ohne Smart-Features aus …

... und selbst dort, wo es weniger offensichtlich ist als bei Smartphone, Smart-TV, Smart-Watch & Co., sind solche, der Vernetzung dienenden Funktionen ein absolutes Must-have. Ob diese Ausstattung später auch genutzt wird, spielt zum Zeitpunkt des Kaufes naturgemäß keine Rolle – Hauptsache „drin".

Während die multimedial vernetzte Welt den meisten Konsumenten ohnehin verschlossen bleibt, weil das smarte Gerät entweder nie mit einem anderen oder dem Web verbunden wurde bzw wird (der Hauptgrund für das Stand-Alone-Dasein der meisten „Normalbürger"-Geräte), oder – falls doch eine Verbindung hergestellt wird – sich dem Besitzer weder der tiefere Sinn dahinter noch die richtige Bedienung (Stichwort: Usability) erschließen will, geraten die Hersteller genau wegen dieser Umstände immer mehr in die Bredouille. Dem Mehrwert aller smarten Technologien zum Trotz erweisen sich die Konsumenten bisweilen als äußerst innovationsresistent und situationsbeharrend. Anders formuliert: Smarte Funktionen werden schlichtweg nur in geringem Ausmaß genutzt – egal, ob sie eher versteckt oder ganz offensichtlich angeboten werden, und auch (fast) unabhängig davon, ob ihr Nutzen sehr groß oder nur bescheiden ausfällt. Allerdings sind zwei Dinge Fakt: Erstens wird in eher naher als ferner Zukunft unsere gesamte Umgebung „smart" – im Sinne von „connected" – sein oder zumindest das Potenzial dazu haben. Zweitens fehlt für Punkt eins nach wie vor die so genannte „Killer-Applikation".

Auf der Suche nach ebendieser waren kürzlich hochkarätig besetzte Diskussions- und Vortragspanels beim messebleitenden ANGA COM-Kongress wenigstens so etwas wie teilerfolgreich. Einerseits gehen manche Experten davon aus, dass Web-basierte OnDemand- und Streaming-Dienste wie Netflix das Thema „Vernetzung" verstärkt in die Köpfe und damit auch auf die TV-Schirme bringen werden – eine Meinung, die durchaus für Kontroversen, mitunter sogar recht heftige, sorgt. Andererseits findet der Glaube, so genannte „Empfehlfunktionen" – entweder in total elektronischer Form oder auch ergänzt durch Aspekte wie Facebook-Einträge von Freunden – könnten den Durchbruch der smarten Features bedeuten, immer mehr Anhänger. Eine Hoffnung, die durch zig-tausende, verzweifelt dauerzappende Nicht-Fußball-Fans in den kommenden Wochen wohl weiter genährt wird – ehe sich die ersten dann zu fragen beginnen, woher der Fernseher eigentlich „weiß", was man gerne sehen würde ...

Wolfgang Schalko, 11.6.2014