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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Samstag, 18. November 2017
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Wolfgang Schalko, 14.5.2014

Elektrotechnik-Kommentar E&W 5/2014 von Wolfgang Schalko

Was wirklich wirkt

Wer kennt das nicht: eine Unterschriftenliste in irgendeinem Geschäft, ein Mail mit der Bitte um Unterstützung oder neuerdings auch die Einladung für einschlägige Facebook-Gruppen – das Aufbegehren von mehr oder weniger großen Bevölkerungsteilen bzw Interessenslagern ist definitiv in Mode.

Was als demokratisches Grundprinzip (und -recht) durchaus begrüßenswert ist, hat in der Praxis jedoch einen gewaltigen Haken: Es bringt zumeist nichts. Weil die Bemühungen irgendwann im Sand verlaufen, die Initiative abgewimmelt oder – im schlimmsten Fall – von den Adressaten gleich völlig ignoriert wird. Umso erfreulicher daher, dass es mit der Sonnenstrom-Petition gerade auch durch die tatkräftige Unterstützung unserer Branche gelungen ist, ein positives Beispiel zu setzen.

Es mag wohl so sein, dass Hans Kronberger, Präsident des initiierenden Bundesverbad Photovoltaik Austria (PVA), die Erfahrung seiner politischen Vergangenheit hier maßgeblich zu Gute gekommen ist. Aber gerade deshalb ist es umso bemerkenswerter zu sehen, wie man es anstellen muss, um etwas zu erreichen und – in diesem Fall äußerst sinnvoIle – Forderungen durchzusetzen. Zur Erinnerung: Die Sonnenstrom-Petition „Hände weg von der Sonne" wurde gestartet, nachdem der Photovoltaik-Erlass des Finanzministers die PV-Branche in Aufruhr versetzt hatte. Demnach sollte der Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Sonnenstrom mit einer Abgabe von 1,5 Cent pro Kilowattstunde (kWh) belegt werden, sobald die Nutzung mehr als 5000 kWh im Jahr beträgt. Mittlerweile ist das Ganze wieder (fast) schon wieder vom Tisch, die Verantwortlichen sind zurückgerudert und haben nun eine deutlich kulantere und v.a. für Privathaushalte wesentlich vorteilhaftere Variante im Auge. Gelungen ist all das mit – zum damaligen Zeitpunkt – nicht einmal 30.000 Online-Unterstützungen. Was der PVA – aus seiner Sicht völlig zurecht – als großen Erfolg feiert, ist in Anbetracht kurzerhand abgeschmetterter Volksbegehren, die mehr als zehnmal soviele Befürworter hatten, eine vergleichsweise geringe Zahl, die hier das gewünschte Resultat brachte.

Offenbar gilt auch in solchen Dingen: Qualität statt Quantität. Soll heißen, wenn man die Hebel an den richtigen Stellen ansetzt, erkennt, wo genau man weiter „andrücken" muss und dann auch noch die richtigen „Hebler" in den eigenen Reihen hat, lässt sich auch mit relativ geringer Masse recht Großes bewegen. Genau das darf und muss man auch der Initiative für faire Vergaben wünschen.

 

Wolfgang Schalko, 14.5.2014