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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Samstag, 18. November 2017
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Wolfgang Schalko, 4.3.2014

Multimedia-Kommentar E&W 3/2014 von Wolfgang Schalko

Wie passt das ins Bild?

Aufgrund des Hypo-Desasters ist der Österreicher mittlerweile einiges gewohnt und auch im Umgang mit großen Zahlen geübt – die Summe von einigen Milliarden Euro muss man schließlich erst einmal einordnen können. Und weil wir dazu nun sehr gut im Stande sind, lässt sich auch das volle Ausmaß erkennen, um das sich Sony im laufenden Fiskaljahr „verrechnet” hat.

Statt den ursprünglich erwarteten 200 Mio Euro Gewinn sollen's mit Ende März nun 800 Mio Euro Verlust werden – was nach Adam Riese eine sagenhafte Differenz von ziemlich genau einer Milliarde Euro macht... Danke, Hypo!

Welche Konsequenzen zieht Sony aus dem Finanz-Debakel? Man entledigt sich der schon jahrelang Miese-machenden VAIO-Sparte, setzt 5.000 Leute auf die Straße – und gliedert die TV-Sparte aus. Von der man mit voller Überzeugung behauptet, sie werde – nach nun ebenfalls schon Jahre andauernden Verlusten – bereits im nächsten Jahr wieder Profite abwerfen. Und seitens des Unternehmens ist man um die Darstellung bemüht, dass es sich dabei nun um eine Division handelt, die wie Sony Mobile oder Sony Play Station funktionieren soll. Ein (100% Tochter-)Unternehmen im Unternehmen. Natürlich könnte man das einfach so stehen lassen, oder sich aber auf der Hirnrinde zergehen lassen, was den Konzern wohl zu so einem Schritt bewogen hat.

Und sehr schnell öffnet sich sodann der Raum für Spekulationen. Will Sony auf Nummer sicher gehen und stellt die TV-Sparte deshalb heraus, um sich für den Fall der Fälle (der da heißt: weiterhin massive Verluste) zu rüsten – um das ganze Fernseher-Business in einer Art „Bad Bank" zu haben und unkompliziert abwickeln zu können, falls das Sanierungskonzept scheitert? Nochmals Danke, Hypo! Oder bereitet man den Verkauf der Sparte vor – auch das wäre in dieser filetierten Form wesentlich einfacher und schneller durchführbar. Oder hat es steuerliche Gründe, die uns ob der Unkenntnis der japanischen Gesetzeslage verborgen bleiben? Oder steckt gar kein tieferer Sinn dahinter und es handelt sich bloß um eine – so wie viele – schlichtweg nicht nachvollziehbare Konzernentscheidung? Oder hüllt man das Ganze solange unter den Mantel des Schweigens, bis niemand mehr danach fragt (eine von anderen Unternehmen und auch Politikern höchst erfolgreich angewandte Strategie)? Man weiß es nicht...

Fest steht allerdings, dass Sony sicher nicht grundlos so gehandelt hat. Und fest steht im Sinne des Handels auch – da kann man von Sony halten, was man will –  dass es nicht schon wieder einen etablierten TV-Hersteller „erwischen" sollte...

Wolfgang Schalko, 4.3.2014