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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Mittwoch, 22. November 2017
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Wolfgang Schalko, 10.2.2014

Multimedia-Kommentar E&W 1-2/2014 von Wolfgang Schalko

Intellektueller Reduktionsprozess

Auf eines darf man sich selbst in turbulenten Zeiten wie diesen verlassen: Die CES in Las Vegas bietet ein Feuerwerk an Neuheiten und gibt die Trends für die kommenden Monate vor. Und es waren einige durchaus bemerkenswerte Entwicklungen, die da auf der amerikanischen Showbühne kredenzt wurden.

4K lautete wie erwartet das große Thema, und dass zig neue 4K-TVs gezeigt würden war ebenso vorauszusehen wie deren vielfach gebogene Form, 4K-Camcorder konnten genauso wenig überraschen wie die ersten 4K-Content-Plattformen. Was jedoch zu erstaunen vermochte, war die Fülle an Innovationen rund um das weiter gedachte Thema Vernetzung – auch als „Internet der Dinge" bezeichnet.

Während in der Branche, und zwar nicht nur in der Unterhaltungselektronik, sondern jeder, die in weitestem Sinn mit Technologie zu tun hat – also auch der IT, der Telekom, den Hausgeräten, den Autobauern, Lichttechnikern usw. – Einigkeit darüber herrscht, dass wir uns am Anfang einer neuen Ära mit ungemein großen Auswirkungen auf unser aller Leben befinden, können sich derzeit nur die Allerwenigsten vorstellen, wohin die Reise gehen wird. Und auch nicht, welche Geräte, Produkte und Accessoires uns in den nächsten Jahren in diesem Zusammenhang begegnen werden. Die CES bot mit futuristisch anmutenden Gadgets jedenfalls schon einen Vorgeschmack. Sie bot in aber auch an ganz anderer Stelle: im Wohnzimmer.

Nicht neu, aber mit neuen Ansätzen befüllt haben die Hersteller ihre Vorstellungen, den Fernseher zur Schalt- und Waltzentrale des individuellen Technik-Imperiums zu machen – denn zu einem solchen werden sich die allesamt und allerorts vernetzten Geräte über kurz oder lang summieren. Was dem entgegensteht ist – wie schon so oft in der Vergangenheit – das maßlose Überschätzen der Konsumenten bzw deren Bereitschaft, sich mit der zunehmenden Komplexität in gebührendem Maße auseinanderzusetzen. Bereits bei den aktuellen (Smart-)TV-Geräten zeigt sich, dass nur ein Bruchteil der Features genutzt wird (sofern überhaupt bekannt), und auch nicht von ungefähr haben die chinesischen Newcomer den Aspekt der einfachen Bedienung ins Auge gefasst, um Märkte und Kundengunst zu erobern.

Das soll nicht nun nicht bedeuten, dass man die integrierte Technik oder Ausstattung reduzieren sollte – sie muss nur besser versteckt und für den Konsumeten unsichtbar gemacht werden. Um einen Schritt nach vorne zu kommen, wird man – im Sinne der Usability – daher wohl zunächst zwei zurück machen müssen. Und man darf gespannt sein, wer das als erster wagt und wem's am besten gelingt.

Wolfgang Schalko, 10.2.2014