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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Dienstag, 21. November 2017
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Bettina Paur, 16.12.2013

Hintergrund-Kommentar Dezember 2013

Auf was hinauf?

Was haben wir in den letzten Wochen nicht alles gelernt. Dass  der „Black Friday“ in den USA der Freitag nach Thanksgiving genannt wird und dort als Start der Weihnachtssaison – und des Preisdrucks – gilt, zum Beispiel. Jetzt ehrlich: Muss man den Amis wirklich alles nachmachen? Womit wir das notwendig gehabt haben, erschließt sich mir nicht. „So notwendig wie ein Krebsgeschwür“, sagte Red Zac-Vorstand Alexander Klaus in einem diesbezüglichen Gespräch zu mir. 

Und mehr bracht man wohl nicht hinzuzufügen. Auch dass Amazon in vier, fünf Jahren kleine Packerl mittels Flugdrohnen  versenden will – und vor allem, dass das angeblich auch sinnvoll sei, brachte uns der Advent. Selbst Stefan Raab ließ deshalb in TVTotal eine Drohne durchs Studio fliegen – und werbetechnisch hat Amazon mit dieser Meldung das erreicht, wovon viele andere nur träumen. Aber wie das funktionieren soll – zb ohne dass die Drohnen permanent gestohlen werden – ist mir nicht klar. Und auch hier gilt, selbst wenn: Auf was hinauf? Das werden wir frühestens in vier, fünf Jahren erfahren. Oder, was ich eher vermute. auch nicht.


Wir haben des Weiteren wiedereinmal gelernt, dass manche Produkte scheinbar eine direkte Wirkung auf Gehirnströme haben. Ich würde ja gerne wissen, was sich Robert Lirutti, GF von Media Markt Dornbirn dachte, als sich bei ihm Kunden wegen der neuen Playstation – auf gut deutsch: gegenseitig in die Goschen hauten. Freute er sich wegen des Ansturms oder fragte er sich genau so wie ich, ob da nicht eine ordentliche Schraube locker ist? Jetzt ehrlich: Die sind alle wahlberechtigt und dürfen Auto fahren. Ich finde es an sich sehr erfreulich, wenn um ein Produkt unserer Branche ein derartiger Hype entsteht. Ich gönne es auch Sony von Herzen. Aber wir reden – zumindest im weiteren Sinne – von einem Spielzeug, um das sich erwachsene Männer in aller Öffentlichkeit und vor Publikum schlägern. Da hinterfragt man schon einiges.


Was wir auch gelernt haben – Pro7 sei dank – dass in Deutschland quasi jeder genau weiß, welche Produktgruppe beim Media Markt wo zu finden ist. Das wird sich in Österreich ähnlich gestalten, und an sich ja ein geniales Konzept von Filialisten. Aber ich komme nicht umhin mich zu fragen, wieviel unnötiges Wissen sonst noch so in meinen Gehirnwindungen gespeichert ist. Warum können Passanten auf der Straße genau lokalisieren, wo der „Rote Riese“ seine Fernseher, Waschmaschinen und Kabeln aufstellt? Bei Fragen „Wie lange dauerte der dreißigjährige Krieg“, steigen bei solchen Umfragen aber die meisten aus. In diesem Sinne: Ich freue mich beschauliche Weihnachtstage. Ich wünsche Ihnen ebensolche – und ein fulminantes Weihnachtsgeschäft.

Bettina Paur, 16.12.2013