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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Samstag, 18. November 2017
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Dominik Schebach, 15.7.2013

Ein Binnenmarkt für die Telekommunikation?

Ein Sturm im Wasserglas

Wie soll man die Absichtserklärung von EU-Kommissarin Neelie Kroes einschätzen? Bis Mitte kommenden Jahres will sie einen echten europäischen Binnenmarkt für Telekommunikation bzw Mobilkommunikation schaffen – mit dem Nebeneffekt, dass Roaming innerhalb der EU dann der Vergangenheit angehören würde.

Das größte Hindernis dafür sind derzeit wohl die unterschiedlichen Regulierungsbestimmungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten. Diese unter einen Hut zu bekommen wird wohl nicht so einfach, wie die EU-Kommissarin glauben macht. Wie auch immer, ein einheitlicher Markt erzeugt einen neuen Konsolidierungsdruck unter den Netzbetreibern. Sollten wirklich nur vier oder fünf europäische Betreiber übrigbleiben, und diese Konsolidierungswelle auch über Österreich rollen, dann hat das auch Auswirkungen auf den heimischen Handel. Die Frage drängt sich auf: Würden diese Großkonzerne dann noch auf die Besonderheiten des österreichischen Markt Rücksicht nehmen, oder werden sie nach einer Strategie „One Size Fits All” versuchen, eine einheitliche Vertriebsstrategie über ganz Europa zu stülpen? Werden die Vertriebsverantwortlichen dann noch in Österreich sitzen, oder würden nur noch Statthalter hier den Markt verwalten?


Bevor so ein Szenario zum Tragen kommt, wird sicher noch einiges Wasser die Donau runterfließen, und wir können davon ausgehen, dass der österreichische Markt in der Zwischenzeit weiterhin sehr wettbewerbsintensiv bleibt. Auch muss man bedenken, dass die drei österreichischen Mobilfunkanbieter international vernetzt sind, entweder als Töchter internationaler Konzerne, oder in einer Allianz verbunden. Gewissermaßen hat Österreich damit die Konsolidierung bereits vorweggenommen. Eine einheitliche europäische Regulierung und Frequenzvergabe hätte aber, wenn man den Argumenten der EU-Kommission folgt, in erster Linie Auswirkungen auf die Netzwerkplanung und Errichtungskosten. Sagt man. – Angesichts der österreichischen Geografie kommen mir da meine Zweifel. Auch sonst lassen sich einige Löcher in der Ankündigung der EU erkennen. Denn die nationalen Märkte sind trotz ähnlicher Vorschriften höchst unterschiedlich. Servicedichte, Netzabdeckung und Tarife sowie die Erwartungen der Kunden unterscheiden sich von Land zu Land. Europa über einen Kamm zu scheren könnte da schwierig werden. Bleibt die Abschaffung von Roaming. Diese Ankündigung mag die Konsumenten begeistern. Für mich hat diese Ankündigung den Geschmack von Populismus.

Dominik Schebach, 15.7.2013