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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Dienstag, 21. November 2017
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Wolfgang Schalko, 12.6.2013

Multimedia-Kommentar E&W 6/2013 von Wolfgang Schalko

Die Regeln regeln

Im Mai traf sich in Wien eine erkleckliche Gruppe von Medienfachleuten, um bei der Veranstaltung „EuroReg” die Zukunft des Fernsehens im Umfeld fortschreitender Konvergenz zu erläutern, ja bis zu einem gewissen Grad auch mit zu gestalten. Denn unter den zahlreichen Experten befanden sich auch eine transeuropäische Reguliererriege und nicht von ungefähr kam es, dass die heimische Regulierungsbehörde RTR als (Mit-)Veranstalter auftrat.

Dabei zeigte sich, wie dringend notwendig es – gerade wegen der stetig zunehmenden Innovationsgeschwindigkeit – ist, sich das Spielfeld „Medienlandschaft" regelmäßig etwas näher anzusehen.

Während der Handel vielfach nur wenig bis gar nicht involviert ist, wenn es um Reichweiten, Werbeerlöse oder Urheberrechtsfragen der Rundfunkanstalten und Programmanbieter geht – und dafür auch weiter keine Notwendigkeit besteht –, sollte man einen Aspekt im Auge behalten: Die Rolle der Industrie bzw Endgeräte-Hersteller als „multimediale Gatekeeper", die noch alles andere als klar umgrenzt ist. Anders als im Rundfunk, wo klare, aus der analogen Zeit herrührende Regeln herrschen, ist die Online-Welt ein Spielfeld ohne Schiedsrichter. Diese – eng mit dem Stichwort „Netzneutralität" verbundene – eklatante Diskrepanz wird früher oder später aufgearbeitet werden (müssen), und das wird auch am Elektrohandel nicht spurlos vorübergehen. Wer sich schon jetzt darauf vorbereiten oder einfach nur wissen will, was da auf uns zukommt, kann sich schon einmal das kürzlich von der EU-Kommission veröffentlichte „Grünbuch über die Vorbereitung auf die vollständige Konvergenz der audiovisuellen Welt" zur Brust nehmen (zu finden im Web unter ec.europa.eu).

Die Sinnhaftigkeit eines – angepassten und rechtzeitig verfassten – Regulariums machte, wie nebenstehend zu lesen, gfu-Chef Hans-Joachim Kamp bei der IFA-Global Press Conference deutlich: Kaum eine Branche ist so innovativ wie die UE, aber keiner geht es dabei nur annähernd so schlecht wie den Fernseh-Herstellern. Über Jahre sind jene falschen – weil zu kurzfristig gedachten – Management-Entscheidungen sogar noch mit fetten Boni belohnt worden, die Riesen-Konzerne heute ebenso vor einem Trümmerhaufen stehen lassen wie ihre Kunden – den Elektrohandel.  So betrachtet müssen wohl alle, die stets auf das freie Spiel der Marktkräfte pochen, erkennen, dass ein Mindestmaß an (sinnvollen) Regeln allen Beteiligten durchaus dienlich ist – auch und gerade den „Großen".

Wolfgang Schalko, 12.6.2013