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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Samstag, 18. November 2017
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elektro.at am Sonntag – KW 31:

Hier die gesammelten Ein-, An- und Aussichten des E&W-Newsletters am ersten Augustsonntag.



Rückschau mit Jetzt-Bezug
Ein Sommer wie damals…

Wolfgang Schalko, 6.8.2017
Über Kommunikation und ihre Fußangeln
Reden wir drüber

Andreas Rockenbauer, 6.8.2017
Meinung
Das „Linke-Lade-Problem“

Wolfgang Grasl, S. Bruckbauer, 6.8.2017
Begegnung
Relikt aus längst vergangenen Tagen

Stefanie Bruckbauer, 6.8.2017
Gedanken zum Tag: Von der eigenen Filterblase
Too long, didn’t read

Dominik Schebach, 6.8.2017
Postings auf elektro.at
Das meinen unsere Leser

Wolfgang Schalko, 6.8.2017


Wolfgang Schalko, 6.8.2017

Rückschau mit Jetzt-Bezug

Ein Sommer wie damals…

Keine Sorge, hier folgt nicht die x-te Episode aus Großmamas liebsten Geschichten von anno dazumals, sondern ein Blick von gerade einmal fünf Jahren zurück. Und zwar in die E&W Sommerausgabe 2012, die über weite Strecken dem 30-jährigen Verlagsjubiläum gewidmet war, aber auch mit folgendem – fast zeitlosen – Kommentar im Elektrotechnik-Ressort aufwarten konnte:

Frühsommerliche Großstadt-Dramen

Wenn ich in letzten Wochen etwas gelernt habe, dann das eine: was Ironie des Schicksals bedeutet. Und zwar anhand von zwei Szenarien, die erstens gar nichts miteinander zu tun haben und die zweitens unterschiedlicher nicht sein könnten.

Schauplatz eins: Tiergarten Schönbrunn, Mitte Juni. Es ist kühl und regnet leicht. Sonepar hat im Rahmen der Energy Saving Week den SolarWorld GT, ein E-Mobil auf Erdumrundungsmission, nach Wien geholt und zum Pressetermin geladen. Unter den prominenten Rednern befindet sich auch PV Austria-Präsident Hans Kronberger, der folgenden Satz auf die versammelte Menge loslässt: „Es kann keine Energiekrise geben, weil wir genug davon haben. Die Sonne macht uns energiereich – ich kann eine Liefergarantie für 5 Mrd Jahre, eine Preisgarantie von 0 Cent und eine Versorgungsgarantie, die 10.000 Mal höher ist als der Bedarf, abgeben."

Schauplatz zwei: Wien, Anfang Juli. Es ist unglaublich heiß und die Sonne brennt unerbittlich herunter (alle wünschen sich jetzt Regen). Zum wiederholten Mal binnen weniger Tage berichten die Medien von größeren Stromausfällen. Dass Licht und Fernseher nicht mehr funktionieren, ist zu verschmerzen – aber die Klimaanlage... Schweiß lass nach! „Das ist ein Wahnsinn, das ist in 40 Jahren nicht passiert", erboste sich etwa ein Kaffeehausbesitzer. In einem Massagesalon mussten die Kunden nach der Behandlung bei Kerzenlicht kalt duschen. Geschäfte schlossen, weil Kassensysteme und sonstige technische Notwendigkeiten ihren Dienst versagten. Beim Lesen solcher Schlagzeilen wird einerseits klar, wie gut es uns in Österreich geht, denn anderswo (auch in Industriestaaten wie den USA) stehen Stromausfälle an der Tagesordnung. Und andererseits, welche Notwendigkeiten uns auf dem Weg in eine sorgenfreie Energiezukunft noch bevorstehen, insbesondere beim Netz und bei den Speichern.

Als „kleinräumige, aber in ihrer Häufung untypische Vorfälle" kommentierte Wien Energie die Versorgungsausfälle, um im gleichen Atemzug zu betonen, dass im Sommer bis zu 80 Prozent aller Störungen durch Baustellenarbeiten verursacht würden. Ein weiterer Erklärungsversuch seitens des Versorgers: Die sonst 40% niedrigeren Spitzenwerte nähern sich in diesem Sommer jenen des Winters an, was das Netz belastet. Bedingt sei dieser gestiegene Stromverbrauch unter anderem durch Klimageräte...

Zurück ins Hier und Jetzt:

Hans Kronberger würde seine damalige Aussage heute wohl genauso wieder tätigen, die Allgemeinheit fiebert dem Ende der aktuellen Hitzewelle entgegen (ev. mit Ausnahme der Verkäufer von Klimageräten und Ventilatoren aller Art) und der Weg in eine „sorgenfreie Energiezukunft" ist auch nicht unbedingt leichter geworden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Menschheit ihre Klimaziele höchstwahrscheinlich verfehlen wird: Wie der „Standard" kürzlich berichtete, haben Forscher unter Einbeziehung diverser relevanter Faktoren errechnet, dass es de facto unmöglich ist, die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, und die Wahrscheinlichkeit, das 2°C-Ziel zu erreichen, bei gerade einmal 5% liegt (ernsthafte Anstrengungen aller Nationen vorausgesetzt).
„Helfen" könnte diese Entwicklung einer Institution, die seit längerem über eklatanten Mitgliederschwund klagt: der Kirche. Denn laut einem Bericht im Ö1-Mittagsjournal findet sich unter den Hitze-Tipps der Weltgesundheitsorganisation WHO schon seit Jahren das Aufsuchen von Gotteshäusern – wie das Klima dort momentan ist, wurde zwar nicht erläutert, die Temperaturen sollen jedenfalls sehr kühl sein...

Wolfgang Schalko, 6.8.2017