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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Donnerstag, 23. November 2017
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(Bild: Thorben Wengert/ pixelio.de)

elektro.at am Sonntag - KW 29:

Hier finden Sie unsere gesammelten Gedanken, Meinungen und Ideen vom elektro.at Sonntags-Newsletter der KW 29.



Zukünftige Trends in der Telekommunikation
„Smartphones: Nach dem Zustand der Verklärung"

Dominik Schebach, 23.7.2017
Henry David Thoreau
Zitat zum (Sonn)Tag

Andreas Rockenbauer, 23.7.2017
Nachtrag zu Magic Moments...
Viel heiße Luft

Andreas Rockenbauer, 23.7.2017
Aus der Seele gesprochen
Blick aus einem anderen Fenster

Wolfgang Grasl, S. Bruckbauer, 23.7.2017
Gedanken zum Tag
Und plötzlich steht die Cobra vor der Tür

Stefanie Bruckbauer, 23.7.2017
Zu diesem Eintrag gibt es 5 Kommentare


Stefanie Bruckbauer, 23.7.2017

Gedanken zum Tag

Und plötzlich steht die Cobra vor der Tür

Sie sehen aus wie eine Mischung aus Blumenvase, Salzstreuer und Lautsprecher. Ich spreche von Sprachsteuerungssystemen wie zB Google Home und Amazon Echo; von den Mitbewohnern der Zukunft bzw den digitalen Assistenten, die helfen sollen, den Alltag zu organisieren. Einfach indem man mit ihnen redet. ... ich bin da allerdings skeptisch.

(Bild: Thorben Wengert/ pixelio.de)

Auf Zuruf spielen sie Musik, informieren über Flugverspätungen und reservieren einen Tisch im Restaurant. Auch das Smart Home lässt sich mit diesen Geräten steuern. Sie verbinden sich nahtlos mit kompatiblen smarten Geräten und schalten auf Wunsch zB das Licht im Wohnzimmer ein. Ganz nebenbei beantworten sie den Kindern Fragen zu den Englisch-Hausaufgaben und natürlich kann man per Sprachbefehl Waren bestellen und (ganz wichtig!) kaufen.

Klingt auf den ersten Blick doch praktisch und die neuen virtuellen Assistenten werden auch höchst erfolgreich an (vorerst mal nur US-) Konsumenten gebracht – bzw. in deren Wohnungen. Nur was ich mich frage: Angeblich „erwachen“ die Geräte erst dann bzw. beginnen erst dann „zu lauschen“ wenn Signalwörter wie „Alexa“ oder „Ok, Google“ fallen. Um diese Signalwörter zu erkennen, müssen diese Geräte aber doch permanent mithören – oder? 

Nun wird großen Konzernen wie Google und Amazon ja sowieso schon nachgesagt, dass sie Daten über Menschen sammeln was geht. Jetzt kommen sie an diese Daten nicht mehr nur über Eingaben oder Bestellungen der Menschen am Computer, Tablet oder Handy heran, sondern sitzen direkt bei den Konsumenten zuhause im Wohnzimmer – und bekommen theoretisch jedes, noch so intime Detail mit.

Kleine Randnotiz

In meinem Kurzurlaub in Kärnten letzte Woche blätterte ich beim Trinken meines Morgenkaffees in diversen Tageszeitungen, um am Weltgeschehen teilhaben zu können. Da entdeckte ich eine kleine Randnotiz aus Amerika: Der Besitzer eines smarten Lautsprechers soll seine Freundin verprügelt und bedroht haben. Während des Angriffs fragte er seine Lebensgefährtin „Did you call the sheriffs?" (ob sie also die Polizei gerufen habe). Das Gerät interpretierte das „call the sheriffs" als Notruf, woraufhin die Polizei die Attacken mithören konnte und ein Einsatzteam losschickte ...

In diesem Fall hat ein smarter Lautsprecher für Hilfe bei einem Fall häuslicher Gewalt gesorgt. Diese Geräte könnten in Kriminalfällen also tatsächlich eine Rolle spielen, was ja grundsätzlich nicht schlecht ist. Dennoch ist die US-Polizei mit diesen Geräten nicht unbedingt zufrieden, wie in dem Artikel stand, da es in den vergangenen Monaten immer wieder unbeabsichtigte Notrufe gab, die allerdings jeglicher Grundlage entbehrten.

Randnotiz in der Randnotiz

Interessant in oben erwähnter Randnotiz war auch: Die Polizei im US-Bundesstaat Arkansas hatte vergangenes Jahr von Amazon die Herausgabe von Echo-Daten verlangt. Die Ermittler hofften, dass Sprachaufnahmen bzw. Anfragen an den smarten Lautsprecher einen Verdächtigen überführen könnten oder zumindest Hinweise auf dessen Aufenthaltsort geben. Nach anfänglicher Weigerung lieferte Amazon die Daten schließlich doch, womit (vorausgesetzt der Artikel war gut recherchiert) bewiesen wäre, dass Amazon die aufgezeichneten Protokolle sehr wohl speichert. (Übrigens: Witzigerweise war es schließlich die Taschenlampen-App am Smartphone des Verdächtigen und nicht die Echo-Daten, die den entscheidenden Hinweis für die Überführung gab).

Kritisch gesehen

Sie haben wahrscheinlich schon bemerkt: Ich sehe intelligente Sprachassistenten, die mit einem Mikrofon permanent ihre Umgebung belauschen also erst mal kritisch. Eben weil ich keine Ahnung habe, was mit den dabei erfassten Informationen passiert, wie sie genutzt und gespeichert werden. Im Internet findet man immer mehr Einträge von Usern zum Thema. Einer erzählte, dass er einfach sein Smartphone aus der Tasche zieht und durch Dutzende Sprachdateien scrollt. Es sind die Protokolle seiner Gespräche mit Amazons Echo-Box, die „ja lediglich automatisch zur Verbesserung der Spracherkennung“ gespeichert werden ... und dazu noch einiges mehr. So sei da zB zu hören gewesen, wie er mit einem Kollegen eine Reise in die USA bespricht. Der Betroffen habe aber in diesem Moment nicht mit Alexa gesprochen, wie er betonte. Trotzdem wurde ein Teil der Konversation mitgeschnitten.

Oft sind es nur Gesprächsfetzen von einigen Sekunden. Doch reicht das nicht völlig aus, um Misstrauen zu wecken? Laut Amazon werden Gespräche also „nur gespeichert, um die Spracherkennung zu verbessern“, diese Aufnahmen könnten auch individuell gelöscht werden. Wie ICH glaube, hat der Nutzer in Wahrheit GAR KEINE Kontrolle darüber, was von Amazon aufgenommen und vor allem gespeichert wird. Ganz zu schweigen von Computer-Hackern, für die es sicher ein Leichtes wäre, sich in so einen smarten Lautsprecher „einzuklinken". Da fällt mir ein: US-Journalisten und –Datenschützer haben beim FBI nachgefragt, ob Amazon Echo zu Abhörzwecken genutzt würde. Die US-Fahnder wollten das allerdings weder bestätigen noch dementieren... Nicht, dass ich großartig etwas zu verheimlichen hätte, aber ich suche mir schon gerne selbst aus, wer mir zuhört und wer lieber nicht.

Richtig blöd wird es dann nur, wenn plötzlich die Drogenfahndung vor der Haustür steht, nur weil man einem Freund, mit dem man verabredet ist, am Telefon gesagt hat „Kann-a-bis`l später werden“ oder (im Dialekt) „Hasch’ a länger Zeit?“. Oder wenn man laut zu Falcos „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ mitsingt. Spannend ist auch was passiert, wenn man beim Fensterputzen voller Inbrunst Eric Claptons „I shot the sheriff“ trällert ... schlimmstenfalls wird man von der Cobra in Handschellen abgeführt.

 

Stefanie Bruckbauer, 23.7.2017
        





Michael H. | 27. 7. 2017, 12:09 Uhr
Columbo | 26. 7. 2017, 00:34 Uhr
Andreas Rockenbauer | 25. 7. 2017, 12:25 Uhr
PeterLe | 25. 7. 2017, 11:38 Uhr
Josef  | 23. 7. 2017, 08:57 Uhr