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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Mittwoch, 20. März 2019
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Schon jetzt würden mind. 1000 Elektriker in Österreich fehlen, umreißt Rexel Austria-CEO Robert Pfarrwaller das Ausmaß des Fachkräftemangels. (Fo: Rexel Austria)

Wolfgang Schalko, 9.1.2019

Rexel-Chef Pfarrwaller: „1000 Elektriker fehlen”

Energiewende: Fachkräftemangel als Risikofaktor

Der Fachkräftemangel könnte sich als Bremsklotz bei der Energiewende erweisen: Wie Rexel Austria-CEO Robert Pfarrwaller in einem „Standard”-Interview erklärte, würden schon jetzt mindestens 1000 Elektrotechniker fehlen. Der Ruf nach Attraktivierung von Handwerk und Lehre wird daher immer lauter.

Bei der im Dezember in Kattowitz (Polen) stattgefundenen Klimakonferenz wurde das Ziel bekräftigt, bis 2050 den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf saubere Energie aus Wind und Sonne zu schaffen. Wie Experten kritisch anmerken, gebe es jedoch zu wenig einschlägig ausgebildete Fachkräfte, um die Energiewende in Europa rasch und im erforderlichen Ausmaß umzusetzen.

Auf diesen Umstand verwies kürzlich auch Robert Pfarrwaller, CEO von Österreichs Elektrogroßhandels-Marktführer Rexel Austria, in einem Interview mit dem Standard. „Dass wir auf eine Fachkräfteverknappung zusteuern, sehen wir ja nicht erst seit gestern. Das zeichnet sich seit einigen Jahren ab", führte Pfarrwaller aus. Neu – und gut – sei, dass das Thema nun Teil der öffentlichen Debatte ist. Es müsse gelingen, die Attraktivität von Handwerk und Lehre in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu heben. Sonst werde es kaum gelingen, einen Trend zu stoppen, der seit Jahren, im Grunde seit Jahrzehnten zu beobachten ist: Dass der Großteil der Jugendlichen fast automatisch Richtung Matura und Studium drängt und an eine Lehre erst gar nicht denkt. „Uns fehlen jetzt schon Minimum 1000 Elektriker", so Pfarrwaller. Dank der boomenden Bauindustrie seien auch nachgelagerte Bereiche voll beansprucht. Kunden von Rexel würden berichten, dass sie wegen des Engpasses an Fachkräften in manchen Regionen keine zusätzlichen Aufträge mehr annehmen könnten. Und die Situation werde eher schlimmer als besser, denn die Zahl der Schüler, die vor der Wahl zwischen Lehre oder Studium stehen, geht wegen der demografischen Kurve in Summe zurück – ergo keine gute Voraussetzung für die Energiewende.

„Heute hat Strom einen Anteil von 20 Prozent am Energiemix. Der soll und wird in den nächsten Jahren Richtung 35 bis 40 Prozent steigen. Zugleich werden die dahinter liegenden Technologien komplexer, die Anforderungen insgesamt höher. Da tut sich eine Schere auf", fügte Pfarrwaller hinzu und betonte, dass man bei Rexel Austria aus der Not eine Tugend gemacht habe – indem man verstärkt auf Selbstausbildung setzt. Statt wie bisher 20 Lehrlinge sollen in Zukunft 50 ausgebildet werden. „Wir finden zum Beispiel keinen Elektrogroßkaufmann", so Pfarrwaller. „Wir müssen mehr tun in unserer Branche, um der Spezialisierung gerecht zu werden." In Deutschland gebe es solche spezifischeren Lehrpläne für Berufsschulen, in Österreich nicht. „Wir werden als Unternehmen sicher Kontakt zu Berufsschulen aufnehmen, inwieweit wir auch bei uns spezifischere Lehrpläne unterbringen können." Pfarrwaller wünscht sich mehr Aufmerksamkeit und eine bessere finanzielle Ausstattung der Berufsschulen. Auch müsse die Ausbildungskette neu gedacht werden. So sei etwa zu hinterfragen, ob das Polytechnikum in der heutigen Form noch zeitgerecht ist. Pfarrwaller bezweifelt das. Er stellt zur Diskussion, ob man die Berufsschule nicht auf vier Jahre verlängern und das Einstiegsjahr zur Vermittlung von Allgemeinbildung nützen soll.

Wolfgang Schalko, 9.1.2019