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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Dienstag, 23. Oktober 2018
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Grafik: RTR

Dominik Schebach, 8.2.2018

RTR-Bericht

Daten-Roaming geht durch die Decke

Seit 15. Juni 2017 gilt EU-weit telefonieren und surfen wie zu Hause. Und dieses „Roam Like At Home“ oder RLAH dürften sich die Endkunden zu Herzen genommen haben, wie der jüngste RTR-Bericht zeigt. Mit der Einführung von RLAH mit der EU-Roamingverordnung hat sich der Datenverbrauch der Österreicher im EU-Ausland gegenüber dem Vergleichszeitraum beinahe vervierfacht.

Jetzt sind die aktuellen Nutzungszahlen bis einschließlich 30. September 2017 verfügbar und beinhalten damit die Hauptreisezeit des vergangenen Sommers. Vor der Einführung von RLAH hielten sich die österreichischen Kunden beim Daten-Roaming noch zurück und schalteten das Daten-Roaming beim EU-Auslandsurlaub ab. Seitdem die Verordnung in Kraft getreten ist, hat sich das drastisch geändert: Im 3. Quartal 2016 waren es noch 407.990 GB an Daten, im 3. Quartal 2017 allerdings schon 1.989.000 GB, die im EU-Ausland verbraucht wurden. Das entspricht einem Anstieg von 388 %.

Der Trend der vermehrten Nutzung ist auch bei den Gesprächsminuten erkennbar. Vom 3. Quartal 2016 zum 3. Quartal 2017 stiegen die aktiven Roaming-Minuten von 88 Millionen Minuten auf 139,5 Millionen Minuten und somit um rund 58 %. Passiv erhöhten sie sich von 66,5 auf 79,3 Millionen; also um 19 %. Einen Rückgang gibt es nur bei den Roaming-SMS, da Endkundinnen und -kunden wohl lieber auf datenbasierte Messengerdienste zurückgreifen. Das 3. Quartal 2016 jenem von 2017 gegenübergestellt ergibt einen Rückgang bei den SMS um 5 %; nämlich von 31 auf 29,6 Millionen.

Die heimischen Betreiber bekommen das geänderte Nutzungsverhalten der Kundinnen und Kunden deutlich zu spüren. Ausgeprägt ist das besonders bei MVNOs, den „Mobile Virtual Network Operators“, ohne eigener Infrastruktur. Deren Kunden dürften besonders preisbewusst gewesen sein, in der Vergangenheit schalteten sie die Funktion Daten-Roaming häufiger aus. Jetzt nutzen sie die Funktion allerdings laut RTR umfassend. Das zeigt der massive Anstieg von 2.451 % innerhalb dieses Betreibertyps, vergleicht man das 3. Quartal 2016 mit dem gleichen Quartal 2017. Im Vergleich zu einem Durchschnittskunden wuchs damit der Durchschnittserbrauch eines MVNO-Kunden drei Mal so stark, wie der Verbrauch eines Netzbetreiber-Kunden. Die RTR erklärt das unterschiedliche Verhalten mit dem höheren Anteil an Geschäftskunden bei den Betreibern mit eigener Infrastruktur. Diese sind nicht so preissensibel und nutzten ihre Smartphones auch schon vor RLAH regelmäßig im Ausland. Dadurch fällt hier der Anstieg beim Datenvolumen zwischen den beiden 3. Quartalen mit 363 % deutlich geringer aus.  

Umsätze der Mobilfunker brechen ein

Die Roaming-Verordnung der EU hat auch deutliche Auswirkungen auf die Umsätze der Mobilfunk-Anbieter – MVNO wie auch Betreiber mit eigener Infrastruktur. Denn nur noch in Ausnahmefällen können Betreiber zusätzliche Entgelte verrechnen. Ansonsten können Endkunden ihre Pakete für Sprachminuten, SMS und Daten ohne weitere Entgelte nutzen. (Einzige Ausnahme sind Einschränkungen durch die Fair-Use-Policy.) Beim Datenroaming zum Beispiel sind die Endkundenumsätze der österreichischen Betreiber vom 3. Quartal 2016 zum Vergleichsquartal 2017 von knapp 10 Millionen Euro auf rund 260.000 Euro gesunken. Das sind rund 97 % weniger. Laut RTR setzen sich die Umsätze aus Roamingdiensten aus Umsätzen von alternativen Roamingtarifen bzw. aus Aufschlägen aus der Fair-Use-Regelung zusammen.

Innerhalb von Österreich haben die Roamingumsätze für MNOs aber weiterhin eine große Bedeutung. Gemeint sind hier die Umsätze, die Netzbetreiber von ausländischen Anbietern für die Benutzung ihrer eigenen Netze einnehmen. Diese Vorleistungsdienste sind von der Roaming-Verordnung der EU nicht betroffen. Damit sind die MVNOs hier im Nachteil. Weil sie keine eigenen Netze haben, generieren sie auch keinen Roamingverkehr von ausländischen Teilnehmern, den sie weiterverrechnen könnten.

 

Dominik Schebach, 8.2.2018