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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Dienstag, 21. November 2017
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(Foto: Julien Christ/Pixelio.de)

elektro.at am Sonntag – KW 31:

Hier die gesammelten Ein-, An- und Aussichten des E&W-Newsletters am ersten Augustsonntag.



Rückschau mit Jetzt-Bezug
Ein Sommer wie damals…

Wolfgang Schalko, 6.8.2017
Über Kommunikation und ihre Fußangeln
Reden wir drüber

Andreas Rockenbauer, 6.8.2017
Meinung
Das „Linke-Lade-Problem“

Wolfgang Grasl, S. Bruckbauer, 6.8.2017
Begegnung
Relikt aus längst vergangenen Tagen

Stefanie Bruckbauer, 6.8.2017
Gedanken zum Tag: Von der eigenen Filterblase
Too long, didn’t read

Dominik Schebach, 6.8.2017
Postings auf elektro.at
Das meinen unsere Leser

Wolfgang Schalko, 6.8.2017


Dominik Schebach, 6.8.2017

Gedanken zum Tag: Von der eigenen Filterblase

Too long, didn’t read

Immer wieder erhalte ich bei E-Mail-Diskussionen im Freundeskreis als Antwort auf eine Nachricht mit zwei, drei Absätzen ein kurzes „tldr“ zurück – Kurzform für „Too long, didn’t read“. Was meine Konversationspartner allerdings nicht davon abhält, trotzdem ihren Senf zur Diskussion dazuzugeben. Dass diese Kommentare dann meistens daneben liegen, ist fast zwingend.

Wir alle stehen unter Zeitdruck. Da wird die Versuchung groß, ein E-Mail oder einen Beitrag schnell zu überfliegen. Anstatt allerdings nach neuen Informationen zu schürfen, Denkanstöße für eigene revolutionäre Ansätze zu suchen, oder einfach nur einen Versuch zu unternehmen, den Gedankengängen des Autors zu folgen, fallen wir in ein anderes Muster. Wir scannen im Energiesparmodus den Text nach bekannten Schlagworten ab. Sind diese identifiziert, läuft in unserem Hirn schon die Assoziationskaskade ab. Diese spült den Text in eine uns genehme Schublade – inklusive Kommentarfunktion.

Damit ist jede Chance auf neue Erkenntnisse verloren. Denn entweder wurde unsere Ansicht bestätigt, und die Filterblase im Kopf blieb intakt, oder unsere vorgefassten Meinungen wurden von den beiläufig aufgeschnappten Schlüsselwörtern in Frage gestellt. Dann allerdings hält uns nichts mehr. Wir wechseln ohne Zwischenstufe aus dem Energiespar- in den Kampfmodus und feuern sofort instinktiv unsere Breitseiten ab, um uns danach gut zu fühlen.

Als unsere Vorfahren den Atem des Löwen im Nacken spürten, war dieses instinktive Reagieren durchaus angebracht. Bei Texten allerdings strebe ich inzwischen bewusst danach, diesen Fight-or-Flight-Modus auszuschalten. Abgesehen davon, dass man dann solche „Perlen des Journalismus” wie „Deutsche Post halbiert ihre Briefzusteller“ wieder würdigen kann, findet man dann in einem Beitrag oder Mail vielleicht doch die eine oder andere Idee, um aus der eigenen Filterblase im Kopf auszubrechen.

Dominik Schebach, 6.8.2017