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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Freitag, 20. April 2018
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Sonos schafft nicht nur in Sachen Audio-Streaming, sondern nun auch beim Vertrieb der Produkte eine eigene Welt – in der der stationäre Fachhandel offenbar keine (große) Rolle mehr spielt. (Foto: Sonos)


Wolfgang Schalko, 23.11.2017, Story-Link:1712046

„Neuausrichtung in Österreich” ab 1.1.2018

Sonos kündigt Distributor Novis und alle FH-Verträge

Nicht gerade frohe Kunde flatterte diese Tage in die Postkästen der autorisierten Sonos-Partner in Österreich: In einem – an alle Adressaten gleich lautenden – Schreiben teilte der Hersteller mit, dass man „aufgrund einer Neuausrichtung in Österreich und der Umsetzung neuer, strategischer Konzepte” die Zusammenarbeit per Jahresende beenden werde. Wie auch mit dem langjährigen Distributor Novis, wo GF Jodok Kaufmann mit Unverständnis auf die Entscheidung reagierte.

Die „Kündigung der Vereinbarung für autorisierte Händler", die dieser Tage postalisch bei den Partnern von Sonos einging, kam zwar nicht aus heiterem Himmel – was diesen Schritt, der bereits seit Wochen gerüchteweise kursierte und mit 1.1.2018 umgesetzt wird, für die Betroffenen aber weder einfacher noch nachvollziehbarer macht. Denn immerhin geht es hier um alle (!!) Händler, die aktuell – und auch noch bis Jahresende in der gewohnten Form – von Novis betreut werden.

Das Schreiben (Anm.: liegt der Redaktion vor) enthält – neben kurzen Dankesworten für den bisherigen Verkauf der Sonos-Produkte an den Händler – nur die kryptisch formulierte Begründung, dass man sich „aufgrund einer Neuausrichtung in Österreich und der Umsetzung neuer, strategischer Konzepte" entschieden habe, ab 1. Jänner 2018 „nicht mehr mit der Firma Novis Österreich zusammenzuarbeiten. Trotz einer langjährigen guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Novis und ihren Mitarbeitern haben wir uns zu diesen Schritt entschlossen, um unsere Marke und den Vertrieb zukünftig neu aufzubauen. In der Konsequenz haben wir entschieden die Autorisierung von Ihnen als Novis Händler für Sonos aufzulösen (...)"

Interessanter Zusatz: Nach erfolgter Kündigung würden „Bestellungen grundsätzlich manuell geprüft", wobei man sich das Recht vorbehalte, die Bestellmengen mit den bisherigen Mengen zu vergleichen sowie bei Hinweisen auf möglichen Missbrauch Bestellungen gegebenenfalls auch abzulehnen bzw. anzupassen – zudem würde die manuelle Prüfung zu „längeren Bearbeitungszeiten" führen.

Weiters werden die Händler ersucht, „den gesamten Auftritt, sowohl in den Verkaufsräumen, als auch im Internet so zu gestalten, dass nicht der Eindruck entsteht, Sie seien weiterhin ein autorisierter Sonos-Händler oder stünden mit Sonos in einer sonstigen Geschäftsbeziehung".

Lediglich einer überschaubaren Zahl von Händlern räumt Sonos offenbar die Möglichkeit ein, sich als „Partner für Installationsprojekte" für eine weitere Zusammenarbeit zu bewerben.

Breites Unverständnis

Für Novis-Geschäftsführer Jodok Kaufmann, der den Österreich-Vertrieb der Sonos-Produkte seit 2008 verantwortete und „immer mit großer Freude" machte (wobei Sonos die Betreuung der Großfläche vor ca. 2 Jahren selbst übernommen hatte), ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar: „Wir haben toll gesteigert und die Zahlen im Fachhandel waren gut, daher verstehe ich diesen Schritt aus unserer Warte nicht – aber letztendlich ist es die Entscheidung von Sonos, mehr kann ich dazu nicht sagen." In der verbleibenden Zeit bis Jahresende werde man aber „Vollgas geben", versichert Kaufmann: „Das Weihnachtsgeschäft mit Sonos ist gesichert: Es gibt gute Aktionen und wir haben viel Ware bestellt – die wir hoffentlich auch rechtzeitig erhalten. Ich wünsche unseren Partnern jedenfalls ein erfolgreiches Jahresendgeschäft."

Aus Sicht von Hannes Majdic, mit electronic4you der wohl umsatzstärkste Sonos-Fachhändler des Landes (und auch Partner der ersten Stunde), müsse die ganze Sache, die jetzt ins Rollen gebracht wurde, erst einmal geklärt werden: „Für mich ist noch nicht genau erkennbar, was da in Zukunft passiert, aber ich denke, das wird jeder Händler für sich ausverhandeln müssen. Auch ich kann erst Genaueres sagen, wenn ich weiß, was Sonos – für uns übrigens eine der wichtigsten Audiomarken – mit uns vorhat. Ich glaube aber, dass Sonos das Gespräch mit uns über eine gemeinsame Zukunft suchen wird – bis jetzt hat sich allerdings noch niemand bei mir gemeldet. Es gibt verständlicherweise ein großes Murren im Fachhandel, weil sich Sonos gerüchteweise von diesem gerade verabschiedet. Dabei war es der kleine und kompetente Fachhandel, der Sonos groß gemacht hat. Und anders als vom Hersteller gerne behauptet, ist Sonos gar nicht so ein Selbstläufer, sondern erfordert durchaus eine gewisse Beratungsleistung."

„Jetzt brauche ich mich nicht mehr um die Marke Sonos zu kümmern", kommentierte Heimkinowelt-GF Thomas Chuchlik sein erhaltenes Schreiben. Mit der Kündigung ohne Angebot zu einer weiteren Zusammenarbeit hätte er nämlich nicht gerechnet – weil man einerseits gute Umsätze gemacht und sich andererseits stets an die Spielregeln gehalten habe. „Ich weiß nicht, was sich Sonos da überlegt hat und welche Strategie dahinter steckt, aber ich glaube, sie machen einen Denkfehler. Gerade weil die Technologie mittlerweile etwas in die Jahre gekommen ist, würde man den Fachhandel eigentlich mehr denn je benötigen, um die Marke weiterzubringen. Doch geht eine Tür zu, gehen meistens zwei andere auf – in diesem Sinne müssen wir uns wohl auf andere Marken konzentrieren und eben die stark machen. Schauen wir einmal, wo Sonos in zwei Jahren in Österreich steht. Aber vielleicht sucht Sonos ja noch das Gespräch mit uns.”

Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik, selbst Sonos-Partner, sieht die Entwicklungen bei Sonos „sehr kritisch", zugleich zeigte er sich vom Vorgehen des Herstellers „sehr betroffen" – nicht zuletzt, weil „Sonos im Bereich Stereo rund 20% Marktanteil hat und es sich also um eine wesentliche Marke handelt". Wie es nun weitergehe, sei noch offen, denn eine Weiterbelieferung nach dem 1.1.2018 sei zwar nicht ausgeschlossen, könne durch den Vorbehalt des Rechts, jede Bestellung manuell zu prüfen und dafür auch längere Bearbeitungszeiten in Anspruch zu nehmen, jedoch durchaus auch mit gewissen Hürden verbunden sein. Seitens des Bundesgremiums werde man das Vorgehen von Sonos jedenfalls „wettbewerbsrechtlich genau prüfen" – insbesondere dahingehend, ob eine Verletzung des österreichischen Rechts vorliegt. Denn anders als das Kündigungsschreiben, das von Sonos (mit Sitz in den Niederlanden) erging, hätten die ursprünglich geschlossenen Verträge den Firmensitz von Novis als Gerichtsstand (dh Vorarlberg). Trotz eventuell erzielbarer Teilerfolge will sich Krejcik aber keinerlei Illusionen oder falschen Hoffnungen hingeben: „Wir – und damit meine ich den mittelständischen Fachhandel – haben die Marke Sonos verloren."

Es stehen jedenfalls bereits einige Player in den Startlöchern, die Lunte gerochen haben und am boomenden Multiroom- und Streaming-Markt in Zukunft kräftig mitmischen wollen – von internationalen Riesen wie Google, Amazon oder Apple, die besonders auf der technologischen Seite zum Spurt ansetzen, bis hin zu traditionellen Schmieden wie Revox, wo dem Vernehmen nach die (aus Bose-Zeiten bestens bekannte) Führungsmannschaft im kommenden Jahr mit einem ausgefeilten Fachhandelskonzept für Furore sorgen will.

Fortsetzung folgt...

Was bleibt, sind also jede Menge offene Fragen – zB welche Strategie man in Österreich verfolgt, wie der Fachhandels-Vertrieb zukünftig aussehen soll und welche Ansprechpartner es geben wird – die wir natürlich bereits bei Sonos deponiert haben. Sobald eine Stellungnahme des Herstellers vorliegt, reichen wir diese unverzüglich nach.

Eine ausführliche Schilderung der aktuellen Entwicklungen, weitere Meinungen betroffener Händler sowie ein Gespräch mit Jodok Kaufmann lesen Sie demnächst in der E&W Dezemberausgabe.

Wolfgang Schalko, 23.11.2017, Story-Link:1712046
        





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