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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Mittwoch, 20. März 2019
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Die Krise bei Ceconomy ist noch nicht zu Ende. Der MediaMarktSaturn-Mutterkonzern streicht nach einem Krisenjahr die Dividende. Für das laufende Geschäftsjahr 2018/2019 rechnet das Unternehmen mit weniger Gewinn. (Bild: Thorben Wengert/ pixelio.de)

Stefanie Bruckbauer, 19.12.2018

Das abgelaufene Geschäftsjahr in einem herausfordernden Umfeld

Ceconomy Jahresbilanz „hinter den Erwartungen“

„In einem herausfordernden Umfeld ist das abgelaufene Geschäftsjahr wie bekannt hinter den Erwartungen zurückgeblieben.“ Mit diesen Worten beginnt Ceconomy (das Unternehmen hinter MediaMarkt und Saturn) die Aussendung zur Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres. Das neue Geschäftsjahr werde deshalb als „Jahr des Umbruchs“ gesehen, in dem sich das Unternehmen „neu aufstellen“ wird. Apropos: Es gibt einen Nachfolger von CFO Mark Frese – vorerst interimistisch.

(Bild: Thorben Wengert/ pixelio.de)

Das letzte war ein schweres Geschäftsjahr für Ceconomy. Umsatzrückgänge, Gewinnberichtigungen bzw. -warnungen, Personalrochaden in den höchsten Reihen usw usf. Nun wurde die Bilanz für das Geschäftsjahr 2017/18 veröffentlicht.  

Die Zahlen

Bereits im Oktober hatte Ceconomy auf Basis vorläufiger Ergebnisse eine angepasste Prognose für das Geschäftsjahr 2017/18 sowie detaillierte Umsatzzahlen veröffentlicht. So stieg der Umsatz im Geschäftsjahr 2017/18 währungs- und portfoliobereinigt zwar leicht um 0,2% gegenüber dem Vorjahr. Auf berichteter Basis verringerte sich der Konzernumsatz allerdings um -0,9% auf 21,4 Mrd. Euro (Vorjahr: 21,6 Mrd. Euro). Ausschlaggebend hierfür wäre insbesondere die rückläufige Entwicklung der stationären Umsätze gewesen, wie Ceconomy sagt. Vor allem in Deutschland sei dies auch auf das ungewöhnlich heiße Wetter im Juli und August zurückzuführen. Positiv soll sich hingegen das starke Wachstum des Online- und Service-Geschäfts sowie die Fußball- Weltmeisterschaft ausgewirkt haben. Dies konnte das rückläufige stationäre Warengeschäft jedoch auch nicht kompensieren. „Während der währungs- und portfoliobereinigte Umsatz in der Region DACH sank (-1,6%), entwickelten sich die übrigen Segmente positiv (West- und Südeuropa: +1,3%; Osteuropa: +9,7%; Sonstige: +2,4%)“, berichtet der Konzern. 

Onlineboom

Die Online-Umsätze bei Ceconomy steigen weiter, im Jahresvergleich um ganze +13%. Damit entfielen im abgelaufenen Geschäftsjahr 12,1% (Vorjahr: 10,6%) des Gesamtumsatzes beziehungsweise insgesamt 2,6 Mrd. Euro auf das Online-Geschäft. Auch die Umsätze im Bereich Services & Solutions entwickelten sich erneut positiv. Sie lagen im abgelaufenen Geschäftsjahr mit rund 1,5 Mrd. Euro um +10,0% über dem Vorjahr und machten 6,9% des Gesamtumsatzes aus (Vorjahr: 6,2%). Wie Ceconomy berichtet, verzeichneten insbesondere die Vermittlung von Mobilfunkverträgen, Versicherungen und Finanzierungen sowie Dienstleistungen rund um Reparaturen und Garantieverlängerungen starkes Wachstum. „Dies wurde auch durch den weiteren Ausbau des Smartbar-Konzepts auf mittlerweile 922 Märkte unterstützt“, ergänzt das Unternehmen.                                                                                          

Unternehmenswortlaut

Ceconomy spricht in seiner Aussendung von einem „herausfordernden Umfeld“ im abgelaufenen Geschäftsjahr, das „wie bekannt hinter den Erwartungen zurückgeblieben“ ist. Nach dem Ergebnisrückgang 2017/18 habe das Unternehmen „Maßnahmen zur schnelleren und fokussierten Umsetzung“ seiner Strategie definiert. Das neue Geschäftsjahr 2018/19 sieht Ceconomy als „Jahr des Umbruchs“, in dem man sich sukzessive neu aufstellen wird, „um den Kundenfokus und die Produktivität des Geschäfts zu steigern“. Dafür sollen in den kommenden Monaten weitere Investitionen in IT und Logistik getätigt werden. „Weitere Aufwendungen werden im Zusammenhang mit den bekannten Management-Wechseln bei Ceconomy sowie vor allem bei MediaMarktSaturn und der Neuausrichtung von Geschäftsprozessen in Verwaltungs- und Zentraleinheiten von MediaMarktSaturn anfallen“, so der Konzern, laut dem Details dazu noch festgelegt werden.  

„Für das Geschäftsjahr 2017/18 fehlt es an einer sinnvollen Basis für eine Dividendenausschüttung. Vorstand und Aufsichtsrat haben entschieden, das vorhandene Eigenkapital zu verwenden, um die Transformation des Unternehmens schnellstmöglich voranzutreiben. Im vergangenen Geschäftsjahr sind unsere Ergebnisse hinter unseren Erwartungen und denen unserer Aktionäre zurückgeblieben. Die gute Umsatzentwicklung im Online- und Service-Geschäft belegt jedoch, dass die Eckpfeiler unserer Strategie stimmen. Ceconomy ist und bleibt ein spannendes und vor allem profitables Unternehmen mit einer Strategie, die auf nachhaltigen Erfolg ausgerichtet ist,“ sagt Dr. Dieter Haag Molkenteller, Mitglied des Vorstands der Ceconomy AG. 

Mark Frese, Mitglied des Vorstands der Ceconomy AG ergänzt: „Wir haben ein klares Verständnis davon, weshalb wir unsere Ziele verfehlt haben. Neben dem moderaten Weihnachtsgeschäft hat die schwache Kundenfrequenz – verstärkt durch das ungewöhnlich heiße Wetter im Juli und August – Umsatz und Ergebnis weiter belastet. Auch die operativen Ergebnisbeiträge zum Jahresende sind deutlich unter den Erwartungen geblieben. Gleichzeitig haben wir unsere strategischen Initiativen vor allem in Deutschland nicht schnell und konsequent genug umgesetzt. Wir gehen davon aus, dass das Umfeld im Einzelhandel und für Consumer Electronics auch im kommenden Jahr herausfordernd bleibt. Ceconomy hat jedoch das Potenzial, diese Herausforderungen dank der stabilen Finanzstruktur und einer konsequenten Umsetzung der Strategie zu meistern.“ 

Nachfolger für Mark Frese 

Mitte Oktober wurde bekannt, dass der Ceconomy Aufsichtsrat in einer Nacht und Nebel Aktion beschlossen hat, sich vom Vorsitzenden des Vorstandes, Pieter Haas, mit sofortiger Wirkung zu trennen. „Auch Finanzchef Mark Frese wird das Unternehmen verlassen“, hieß es. Nun ist es soweit: „Mark Frese hat den Aufsichtsrat der Ceconomy AG gebeten, zum 31. Dezember 2018 das Unternehmen zu verlassen. Der Aufsichtsrat kommt diesem Wunsch nach und entsendet interimistisch Dr. Bernhard Düttmann als neuen CFO in den Vorstand“, informiert der Konzern. Düttmann beschreibt Ceconomy wie folgt: „Durch seine früheren Stationen als Mitglied des Vorstands bei Lanxess, Beiersdorf, Tesa und zuletzt interimsweise als CFO bei Stada zeichnet sich Dr. Düttmann als ausgewiesener Finanzexperte aus, der durch seine Aufsichtsratsposition bei Ceconomy zudem über profunde Kenntnisse des Unternehmens verfügt.“ 

Ausblick

Für das laufende Geschäftsjahr 2018/19 geht Ceconomy gegenüber 2017/18 von einer verhaltenen Entwicklung aus. So erwartet der Konzern ein leichtes Wachstum des Gesamtumsatzes gegenüber dem Vorjahr. Für das Net Working Capital erwartet Ceconomy eine „moderat rückläufige“ Entwicklung. Sowohl beim EBITDA als auch beim EBIT erwartet Ceconomy (ohne Berücksichtigung der Ergebnisbeiträge aus der Beteiligung an Fnac Darty S.A.) einen leichten Rückgang. „Die Segmente DACH und insbesondere Osteuropa tragen zu diesem Rückgang bei, während sich das Segment West-/Südeuropa leicht positiv entwickelt“, sagt das Unternehmen, laut dem die Prognose wechselkursbereinigt und vor Portfolioveränderungen erfolgt. „Noch zu konkretisierende Aufwendungen im Zusammenhang mit der Neuausrichtung und Optimierung von Strukturen und Geschäftsprozessen in Verwaltungs- und Zentraleinheiten sind nicht enthalten. Auch Aufwendungen für bereits bekannt gegebene Führungswechsel im Top- Management sind nicht berücksichtigt“, so Ceconomy. 

Stefanie Bruckbauer, 19.12.2018