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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Dienstag, 11. Dezember 2018
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„Der Handel steht vor weitreichenden Umwälzungen“, wie Handelsverband und Contrast EY warnen. (Bild: Screenshot Handelsverband, Retail Barometer)

Stefanie Bruckbauer, 19.1.2018

Handelsverband & Contrast EY: Retail Barometer Österreich

Der Handel steht vor weitreichenden Umwälzungen

Gestern wurden die Ergebnisse des „Retail Barometers Österreich“ vorgestellt. Dieser Retail Barometer wurde von Contrast EY, der Strategieberatungsmarke der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY Österreich, gemeinsam mit dem österreichischen Handelsverband erstellt und zeigt: Österreichs Handelsunternehmen stehen vor weitreichenden Umwälzungen. Um überleben zu können müssen sie sich dringend an die neuen Rahmenbedingungen anpassen.

Österreichs Handelsunternehmen stehen vor weitreichenden Umwälzungen. „Während der digitale Wandel Online-Händler wie Amazon und Alibaba unter die erfolgreichsten Unternehmen der Welt katapultiert hat, dominiert in Österreich nach wie vor der stationäre Handel. In keinem anderen europäischen Land ist die Dichte an Verkaufsfläche pro Kopf so hoch wie hierzulande“, berichten Rainer Will, Handelsverband GF, und Martin Unger, Partner & SectorLeader bei Contrast EY. Mit 1,67 m2 pro Einwohner liegen österreichische Händler vor Belgien (1,64 m2) und den Niederlanden (1,61 m2) in dieser Statistik auf Platz eins. Zum Vergleich: In Großbritannien kommen auf jeden Einwohner nur 1,09 m2 Verkaufsfläche. „Für viele Retailer in Österreich bedeutet der starke Fokus auf Filialen eine Gefahr - rückläufige Marktanteile und geringere Renditen drohen“, betonen Will und Unger, laut denen sich österreichs Handelsunternehmen dringend an die neuen Rahmenbedingungen anpassen müssen - und das wollen sie scheinbar auch: Fast drei Viertel (73%) passen ihr Vertriebsmodell in den nächsten drei Jahren an. Jeder Zehnte (9%) möchte sein Unternehmen sogar vollkommen neu erfinden – zeigen die Ergebnisse des Retail.

Eine neue Welt

„Der Handel befindet sich mitten im Übergang in eine neue Welt. Bislang war es die Aufgabe von Händlern, Filialen zu bauen, Regalmeter bereitzustellen, Regale mit Produkten zu befüllen und diese Produkte mit Massenmedien zu bewerben. Der Händler der Zukunft erhebt und nutzt Informationen aus vielfältigen Quellen, um Kunden individuell über mehrere verschränkte Kanäle - Stichwort Omnichannel - mit einem bedürfnisorientierten Angebot anzusprechen", so Martin Unger.

Die strategische Verknüpfung von Online-Shopping und Filiale zahlt sich laut Untersuchungen schon jetzt aus: 71% der österreichischen Händler mit Omnichannel-Angebot erzielen mit Kunden, die über mehrere Kanäle einkaufen, höhere Umsätze. Jeder Fünfte (18%) macht sogar viel höhere Umsätze mit Omnichannel-Kunden. Allerdings können vier von fünf Händlern (80,7%) die Profitabilität über mehrere Kanäle momentan noch nicht messen.

„Die 250 größten Onlineshops in Österreich erwirtschaften mittlerweile 2,5 Milliarden Euro jährlich, allein im letzten Jahr sind die Umsätze um 8,6% gestiegen. Diese anhaltende Dynamik im E-Commerce führt zu einer immer stärkeren Marktkonzentration, das heißt immer weniger große Händler teilen sich einen immer größeren Anteil am Kuchen. So erwirtschaften die zehn größten Online-Händler Österreichs zusammen mit 1,2 Milliarden Euro fast die Hälfte des Gesamtumsatzes, Amazon allein kommt mit 556 Millionen Euro auf ein Viertel. Und 93% aller österreichischen Online-Shopper zwischen 15 und 60 Jahren haben bereits bei Amazon eingekauft", so Rainer Will.

Österreichs Händler hinken bei Omnichannel-Umsetzung hinterher

Die heimischen Handelsunternehmen scheinen – wie das Retail Barometer zeigt - bereits erkannt zu haben, dass die Zukunft in der Verknüpfung von Online und Filiale liegt: 85% haben laut eigener Aussage bereits mit der Umsetzung einer Omnichannel-Strategie begonnen. Die Selbstwahrnehmung sei hier aber deutlich besser als der Status quo, so Unger: „Viele Händler unterschätzen den Umfang und das Potenzial von Omnichannel. Es reicht nicht aus, zusätzlich zu der Filiale auch eine Website zu haben. Es geht vielmehr um eine nahtlose Verknüpfung und individualisierte Interaktion von Kanälen und Kontaktpunkten entlang der Customer Journey. Hier hinken heimische Händler im internationalen Vergleich hinterher." Das liege auch daran, dass der Wandel in Richtung Einkauf im Web hierzulande langsamer vollzogen werde als im internationalen Vergleich, ergänzt Rainer Will: „In Österreich ist der Online-Shopping-Anteil 2017 nur rund halb so hoch gewesen wie in Großbritannien oder den USA. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis wir auch hierzulande eine erhebliche Verschiebung in Richtung Online- und vor allem auch hin zum Mobile-Shopping erleben. Spätestens dann wird Omnichannel noch stärker an Bedeutung gewinnen." Die größten Herausforderungen bei der Einführung von Omnichannel sind aus Sicht der befragten Handelsunternehmen das nötige Kapital (30%) sowie erhöhte Anforderungen an die Daten- und IT-Sicherheit bzw. mangelnde personelle Ressourcen (je 27%).

Mehr zum Thema, erfahren Sie in der kommenden E&W!

Stefanie Bruckbauer, 19.1.2018