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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Samstag, 25. November 2017
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Der erste Prototyp eines praxistauglichen Pflegeroboters wurde heute in Wien von der TU Wien und dem Haus der Barmherzigkeit vorgestellt. (Foto: Dominik Schebach)


DI Dr. Markus Vincze und Mag. Alexandra Schmid (Leiterin Akademie für Altersforschung, HdB) präsentieren den HOBBIT. ((Foto: Dominik Schebach)


Der Nachfolger des ersten Prototypen steht schon bereit - zumindest in seiner Rohform. Bis zur Serienreife werden noch ein paar Jahre vergehen. (Foto: Dominik Schebach)


Das Projektteam des HdB: r. Institutsdirektor Christoph Gisinger, Alexandra Schmid, Leiterin der Akademie für Altersforschung, Projektmanagerin Daliah Batko-Klein. (Foto: Haus der Barmherzigkeit/APA-Fotoservice/Pauty)

Dominik Schebach, 14.3.2013

Über den Rand

Zukunftsmusik Pflegeroboter?

Ist das eine Zukunft für den Elektrofachhandel. Das Haus der Barmherzigkeit und die TU Wien haben heute in Wien einen Pflegeroboter für Senioren vorgestellt. Der HOBBIT soll seinen Benutzern zusätzliche Sicherheit und Erleichterung im Alltag bieten, auf dass sie möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen können. Als Zeitrahmen für die Marktreife gibt Entwickler DI Dr. Markus Vincze rund fünf Jahre an.

Auslöser für die Entwicklung und wichtigstes Einsatzgebiet für den HOBBIT ist die Sturzerkennung, wie Projektinitiator Dr. Christoph Gieisinger, Institutsdirektor Haus der Barmherzigkeit erklärt: „Stürze sind die häufigste Ursache für den Eintritt in ein Pflegeheim. Der HOBBIT kann hier auf zwei Ebenen Sicherheit schaffen. Dank Greifarm und Kamera kann er den Boden präventiv nach herumliegenden Objekten absuchen und diese aufheben. Das vermindert das Sturzrisiko. Kommt es zu einem Unfall, kann der Roboter dies erkennen und Hilfe anfordern.“ Für echte Pflegeleistungen bleibt der Mensch allerdings unersetzlich.

Derzeitige Systeme zur Sturzerkennung von Senioren wie fest installierte Sensoren oder auch am Körper zu tragende Notrufsysteme leiden unter einem Akzeptanzproblem. Da Ernstfälle selten vorkommen werden diese Geräte schnell lästig und nicht mehr benutzt bzw will niemand die Installationsaufwand tragen. Dabei entstehen durch Stürze älterer Mitbürger allein in Österreich jährlich zwei Mrd Euro an Behandlungskosten. Und die Folgen für die Betroffenen werden umso dramatischer, je länger die gestürzte Person nicht entdeckt wird und verletzt in ihrer Wohnung liegt.

Damit das System allerdings auch gerne genutzt wird, muss es einen Zusatznutzen bieten. Dazu soll der fertige Heimassistent eine Reihe von Fähigkeiten und Funktionen bieten wie das Erkennen, Lernen und Finden von Gegenständen, Kommunikation und Information über ein integriertes Touchdisplay sowie Sprachein- und –Ausgabe und Entertainment, wie Vincze erklärte. Hier kommt die Entwicklungspartnerschaft zwischen der TU und dem HdB voll zum Tragen, um die Usability und Akzeptanz der Nutzer für den HOBBIT zu verbessern.

In einer ersten Phase wurde das System von 22 Personen unter Laborbedingungen getestet. Jetzt soll ein erweiterter Testbetrieb mit Partnerinstituten in Schweden und Griechenland folgen. Bis zur Serienreifen wird noch etwas Zeit vergehen wie auch Vincze zugibt, für den Einsatz in der Praxis ist der HOBBIT derzeit schlicht zu langsam. Auch gilt es noch einige grundsätzliche Fragen zu klären. „Interessant wird zB wer das System wirklich anschafft“, so Vincze. „Werden es die Kinder für ihre noch zu Hause wohnenden Eltern tun, oder werden es die Versicherungen sein, die sich davon geringere Behandlungskosten erhoffen.“ Die Kosten für ein fertiges System sollen unter 5.000 Euro liegen.

Dominik Schebach, 14.3.2013