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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Mittwoch, 20. März 2019
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BGO Wolfgang Krejcik setzt sich einmal mehr für den stationären Fachhandel ein – indem er dessen Qualitäten aufzeigt, zugleich aber auch gerechte Rahmenbedingungen fordert.

Dominik Schebach, 14.12.2018

Eine Entgegnung

Krejcik: Gerechtigkeit für den österreichischen Fachhandel

Dass die Online-Händler ihre Erfolge gern hinausposaunen, ist bekannt. Die jüngsten Äußerungen des GF einer heimischen Versandhandelsgruppe haben nun allerdings Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik auf den Plan gerufen. Seiner Ansicht nach halten viele der „dreisten“ Behauptungen einer genauen Analyse nicht stand und fordert in einer Stellungnahme an E&W Gerechtigkeit für den österreichischen Fachhandel.

15% Umsatzwachstum im Weihnachtsgeschäft, ein prosperierendes Online-Geschäft und ein moribunder stationärer Handel – in seiner Zwischenbilanz zum Weihnachtsgeschäft hat Harald Gutschi, Geschäftsführer der österreichischen UNITO-Gruppe recht dick aufgetragen.

Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik hat dazu eine klare Position. „In diesem Artikel wird der „stationäre“ Handel eher abfällig bewertet, ohne Zukunft, zum Zusperren verurteilt. Der Geschäftserfolg vieler Betriebe, die dem Konsumenten viele Vorteile gegenüber den ,PUREPLAYERN’ bieten, zeigt jedoch das Gegenteil“, schreibt Krejcik in seiner Stellungnahme an E&W.

Seiner Ansicht nach entsprechen deswegen die von Gutschi angeführten Behauptungen keineswegs der Realität, wie ein genauer Blick auf den Elektrofachhandel zeigt.

Lesen Sie im Folgenden die Entgegnung von Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik:

Betrifft: Versandhandel in Österreich

Zu dieser sehr eigenartigen Pressemeldung eines österreichischen (?) Versandhändlers haben mich viele Proteste vom österreichischen, „stationären“ Handel erreicht.

Die hier aufgestellten Behauptungen entsprechen in keiner Weise der Realität. Die uns verfügbaren Marktdaten zeigen zumindest für Produkte unserer Branche eine deutliche Stagnation bei den Marktanteilen des Versandhandels. Hier kann also von zweistelligen Steigerungen keine Rede sein.

Besonders dreist wird hier auch angeführt, dass der Versandhandel gegenüber dem stationären Handel extrem „klimafreundlich“ sei. Jeder, der die unzähligen Kleintransportunternehmen in den Straßen Österreichs sieht, mit umfangreichen Verpackungen mit hohem Kunststoffanteil, mit dem hohen Rücksendeaufwand, verursacht durch viele Fehlkäufe auf Grund mangelnder Beratungsleistung, kann darüber nur verständnislos den Kopf schütteln. Es erstaunt, dass ein Geschäftsführer eines führenden Versandhändlers sich zu solchen Äußerungen hinreißen lässt.

Bei dieser Gelegenheit sollte man die Leistungen des Versandhandels hinterfragen.

Ohne unsere Schauräume, unsere geschulten Mitarbeiter, unsere Beratungsleistungen würden auch Versandhändler sehr wenig Geschäft machen. Denn wer kauft eine Waschmaschine, ohne sich die vorher in der Realität anzuschauen? Wer kauft ein TV-Gerät um 2000.- €, um sich bezüglich Bildqualität nur auf ein Bild am Handy zu verlassen? Ich selbst kann  ein Lied davon singen, dass unsere Studios, unsere Verkäufer dafür oft missbraucht werden, Stichwort Beratungsdiebstahl.
Nach dem Kauf werden die umfangreichen und teuren Serviceorganisationen unserer „österreichischenLieferanten vom Versandhandel kostenlos und schamlos genutzt, obwohl die Ware fast ausschließlich über ausländische Lieferanten bezogen worden ist. Der österreichische, stationäre Handel muss diese teure Leistung mit bezahlen.

Besonders bemerkenswert dürfte die Leistungsbereitschaft des Versandhandels bei der Rückgabe von Elektroaltgeräten zu sein, wird doch der Käufer gezwungen, eine Sammelstelle mit seinem Gerät aufzusuchen, auch wenn diese zig Kilometer von seiner Wohnadresse entfernt ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Kunden des Versandhandels ihre ausgemusterten Geräte bei „stationären“ Händlern einfach deponieren.  Dieser Defizitleistung des Versandhandels steht die Zug-um-Zug-Rücknahme des Altgerätes im stationären Handels gegenüber, wieder für uns ein Kostenfaktor zu Gunsten unserer Mitbewerber.

In diesem Artikel wird der „stationäre“ Handel eher abfällig bewertet, ohne Zukunft, zum Zusperren verurteilt. Der Geschäftserfolg vieler Betriebe, die dem Konsumenten viele Vorteile gegenüber den „PUREPLAYERN“  bieten, zeigt jedoch das Gegenteil.

Der stationäre Handel braucht kein Mitleid. Er braucht Gerechtigkeit. Bei Steuern, Abgaben etc. ist dies derzeit nicht der Fall. Mein Bundesgremium plant hier in allernächster Zeit neue Aktivitäten, um auch die Öffentlichkeit über dieses schreiende Unrecht zu informieren und tritt in intensiven Gesprächen mit den verantwortlichen Regierungsstellen ein.

Unsere österreichischen Lieferanten darf ich auffordern, genau und sorgfältig zu prüfen, welche Leistungen der Versandhandel in Österreich für Sie erbringt. Extrem preisaggressiv aufzutreten, Beratungs- und Serviceleistungen nur sehr eingeschränkt anzubieten, kann wohl nicht ausreichen. Ich würde mir auch wünschen, wenn in den europäischen Firmenzentralen, die ja auch den internationalen Versandhandel bedienen, diese unhaltbaren Zustände deutlicher reklamiert werden.

Wolfgang Krejcik

 

 

 

Dominik Schebach, 14.12.2018
        





Kleiner Händler | 17. 12. 2018, 13:24 Uhr
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