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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Dienstag, 12. Dezember 2017
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Der Handelsverband hat anlässlich der bevorstehenden Nationalratswahlen ein Zukunftspaket geschnürt, das sich an die nächste Bundesregierung richtet. (Bild: Screenshot Handelsverband)


Stefanie Bruckbauer, 12.10.2017

„Jetzt gemeinsam Handel(n)“

Handelsverband Zukunftspaket

Am kommenden Sonntag sind Nationalratswahlen. Der Handelsverband bezeichnet sie als richtungsweisend, da sie entscheiden, welchen Weg Österreich in den nächsten fünf Jahren gehen wird. Als überparteilicher, unabhängiger Verband, hat der Handelsverband hierzu ein 7-Punkte-Zukunftspaket erarbeitet, das sich an jene politischen Entscheidungsträger richtet, die unser Land in den nächsten Jahren führen werden.

Der österreichische Handelsverband hat ein so genanntes Zukunftspaket geschnürt, das sich an die nächste Bundesregierung richtet. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, erklärt: „Wir wollen damit bereits vor den anstehenden Koalitionsverhandlungen offenlegen, was der Handel braucht, um auch in der nächsten Legislaturperiode zukunftsfit zu bleiben. Unsere Empfehlungen sollen sicherstellen, dass die österreichischen Handelsunternehmen auch 2020 und darüber hinaus ihre überragende Beschäftigungsfunktion mit mehr als 500.000 Arbeitnehmern sowie ihre Versorgungsfunktion mit einem engmaschigen, hochqualitativen Filialnetz ausüben können. Wir fordern die nächste Regierung auf, die Bremsen zu lösen und dem österreichischen Handel freie Fahrt in eine erfolgreiche Zukunft zu ermöglichen.“

7 Empfehlungen 

Und so lauten die sieben Empfehlungen des Handelsverbands:

1. Mehr Freiheit

Der Handelsverband fordert flexible Arbeitszeiten, weil der digitale Wandel völlig neue Arbeitswelten schafft und weil die Wochenöffnungszeiten und Zuschlagsregeln starr und kompliziert sind.

Der Handelsverband fordert aber auch mehr unternehmerische Freiheit, weil die Steuer- und Abgabenquote in kaum einem Land der westlichen Welt so hoch ist wie in Österreich und weil sich die starke Besteuerung des Faktors Arbeit negativ auf die Beschäftigungszahlen auswirkt.

2. Mehr Gerechtigkeit

Unter dem Aspekt der Gerechtigkeit fordert der Handelsverband fairen Welthandel, weil Spielregeln für alle gelten sollten (egal ob groß oder klein) und weil wettbewerbsverzerrende Zollfreigrenzen und Plattformkonstruktionen den Import von Billigwaren fördern.

Unter dem Aspekt der Gerechtigkeit fordert der Handelsverband auch Steuergerechtigkeit, weil in Österreich erzielte Gewinne auch in Österreich versteuert werden sollten und weil legale Steuervorteile für globale Online-Händler den heimischen Handel gefährden.

3. Mehr Effizienz

Als dritten Punkt des „Zukunftspakets“ fordert der Handelsverband mehr Effizienz. Das heißt Bürokratieabbau, weil Überreglementierung der Wachstumskiller Nr. 1 und Gift für die Arbeitsplätze ist und weil jedes neue Gesetz neue Bürokratie für die Händler schafft und weniger oft mehr ist.

Das heißt aber auch Föderalismusreform, weil neun unterschiedliche Landesgesetzgebungen für den Handel eine riesige Last darstellen und weil Themen wie Raumordnung, Flächenwidmung oder Abfallwirtschaft österreichweit harmonisiert gehören.

4. Mehr Innovation

Auch der Ruf nach mehr Innovation wird seitens des Handelsverbandes laut. Das betrifft eine Infrastrukturoffensive, weil infrastrukturseitige State-of-the-Art-Technologien über die globale Wettbewerbsfähigkeit entscheiden und weil fehlende Infrastruktur am Land zu einem Brain Drain in die Städte führt.

Das betrifft aber auch eine neue Innovationskultur, weil disruptive Technologien (Blockchain, Machine Learning, etc) ganze Wirtschaftszweige revolutionieren und weil sich Unternehmergeist, Leistung und Eigeninitiative wieder lohnen sollen.

5. Mehr Exzellenz

Der Handelsverband wünscht sich auch mehr Exzellenz. Dazu zählt lebenslanges Lernen, weil ein erweitertes Bildungssystem die Menschen fit für den digitalen Wandel macht und weil eine erstklassige Bildung die Befähigung für Freiheit, kritisches Denken und gesellschaftlichen Fortschritt liefert.

Dazu zählt auch ein durchlässiges Schulsystem, weil nur eine praxisnahe Ausbildung die duale Grundlage für beruflichen Erfolg liefert und weil Österreich mehr Spitze und mehr Breite in der Bildungsqualität braucht – von der Elementarbildung bis zu den Hochschulen.

6. Mehr Sicherheit

Ganz wichtig ist dem Handelsverband auch mehr Sicherheit, und zwar „digitale" Sicherheit, (weil die fortschreitende Digitalisierung Unternehmen für Cyberattacken angreifbar macht und weil die Sicherung kritischer Infrastrukturen oberste Priorität hat) sowie „analoge" Sicherheit, weil Bandenkriminalität, organisierte Bettelei und Ladendiebstahl zunehmen und weil sich die Sicherheitslage in europäischen Ballungszentren und Frequenzlagen verändert hat.

7. Mehr Europa

Mehr Europa heißt der siebte Punkt im Zukunftspaket. Der Handelsverband meint damit die Europäische Identität zu stärken, weil wir die Regulierungswut reduzieren und Verordnungen effizient aufeinander abstimmen müssen und weil die EU der größte gemeinsame Markt der Welt ist und damit Relevanz und Verbundeffekte (Digitaler Binnenmarkt) verstärkt werden können.

Darüber hinaus fordert der Verband eine EU-Perspektive auf den Mittelstand, weil wir eine Handelspolitik brauchen, in der auch Klein- und Mittelbetriebe überleben können und weil der Steuerwettlauf zwischen den Mitgliedsstaaten kontraproduktiv ist.

Stefanie Bruckbauer, 12.10.2017