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Österreichs Insiderblatt für die Elektrobranche | Freitag, 22. Februar 2019
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(Bild: Sokaeiko/ pixelio.de)

Stefanie Bruckbauer, 10.2.2019

Kommentar E&W Jännerausgabe

Große Fußstapfen. Oder: Von Fort- und Rückschritten

Zur Zeit wird mir wieder Mal stark bewusst, wie schnell sich die Welt dreht, wie rasant sich die Dinge ändern. Vieles davon fällt in die Kategorie Fortschritt, manches scheint jedoch eher ein Rückschritt ...

(Bild: Sokaeiko/ pixelio.de)

Für die in Kürze erscheinende erste E&W des Jahres 2019 durfte ich einige Interviews führen (das „Abschiedsinterview" mit „Mr. Dyson Austria" Peter Pollak zum Beispiel, aber auch das quasi „Antrittsinterview" mit Miele Neo-GF Sandra Kolleth, oder das Gespräch mit Unito GF Harald Gutschi anlässlich des allerletzten Otto-Kataloges) und die haben mit Eines wieder Mal klar vor Augen geführt: Die Welt dreht sich verdammt schnell, viele Dinge ändern sich in einer rasenden Geschwindigkeit. Vieles davon fällt in die Kategorie Fortschritt - zB das Ende des Otto-Kataloges (das vom Otto-Konzern trocken als „konsequente Fortsetzung des digitalen Wandels“ erklärt wird). Ich schätze die meisten von Ihnen können sich daran erinnern, wenn zwei Mal im Jahr dieser mehr als 1.000 Seiten starke Papier-Koloss ins Haus kam. Die Vorfreude und Aufregung ob des bevorstehenden Blätterns und Stöberns in dieser gigantischen Konsumwunderwelt war groß. Stunden- und tagelang konnte man sich damit beschäftigen in immer neue Waren-Galaxien vorzustoßen und bis dahin unbekannte Produkte zu entdecken. Das Internet? ... das war zu dieser Zeit noch nicht mal ein Funke einer Idee in den Köpfen der Entwickler. 

Im Sinne des Fortschrittes treffen Unternehmen meist rationale Entscheidungen. Für die unmittelbar Betroffenen haben diese sachlich-vernünftigen Entscheidungen aber häufig sehr emotionale Konsequenzen. So meinte Unito GF Harald Gutschi angesichts des allerletzten gedruckten Otto-Kataloges mit Wehmut: „Emotional betrachtet ist es ein bisschen wie sterben.“ Ich persönlich finde: Mit dem Abdanken von Peter Pollak als Mr. Dyson Austria stirbt auch etwas, nämlich dieser ganz spezielle Spirit, den Pollak dem Unternehmen verlieh, diese Vision, die er verkörperte. Peter Pollak machte die Marke in Österreich zu etwas ganz Besonderem und nicht nur ich sehe das so. „Einer der Allerbesten, ein ganz Großer in der Branche. Der Innbegriff für Business-Ethik! Ein echter Sir“, so die Stimmen in der Branche als offiziell wurde, dass Pollak die Geschäftsführer-Position bei Dyson Austria niederlegt.  

Konzerne wollen sich klarerweise weiterentwickeln, manche setzen in durchaus guter Absicht zuweilen allerdings Schritte, die von Außen betrachtet in die falsche Richtung zu laufen scheinen. Warum nimmt man Menschen raus, die ein Unternehmen steil nach oben führten, die einer Marke guttaten und fast schon als Synonym dafür gesehen werden? Peter Pollak war in Österreich das Gesicht zur Marke Dyson und er hat große Fußstapfen hinterlassen. Diese auszufüllen wird schwierig. Gar nicht so sehr in fachlicher Hinsicht, da wird sich schon jemand finden. Aber diese Fußspuren in menschlicher, emotionaler, kreativer und spiritueller Hinsicht zu füllen, wird meiner Meinung nach ein schwieriges, wenn nicht sogar unmögliches Unterfangen. 

Miele traf in meinen Augen eine sehr gute Entscheidung, Sandra Kolleth zur neuen GF zu berufen. Sie ist sehr kompetent, taff und wirklich total sympathisch dabei (wie im Interview auf Seite 26 der E&W Jännerausgabe deutlich wird). Sandra Kolleth wird etwas bewegen, da bin ich mir sicher, und sie wird auch ihre Fußstapfen hinterlassen. Ich bin gespannt, wen Dyson zum neuen Österreich GF beruft. Leicht wird es für denjeigen nicht, das Erbe anzutreten. Und was Peter Pollak angeht: Ich wünsche jedem Unternehmen einen Mann wie ihn an Bord zu bekommen. Ich traue dem „Playing Captain“ nämlich zu, dass er jedes Schiff, das er besteigt, auf Kurs bringen kann.  

Stefanie Bruckbauer, 10.2.2019